Beiträge:

  1. Martina Leeker:
    Zur Einführung

Martina Leeker:
Entfesselte technische Objekte - Zum zeitgenössischen Verhältnis von Mensch und Technik in der Kunst. Zur Einführung.

Kapitel:

Offene Objekte, entfesselte Dinge und menschliche Agenten. Von der technischen Sinnverschiebung

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist ein Wandel in Gestaltung und Konzeptualisierung der Welt der Dinge und damit verbunden von Subjektivität festzustellen. Dinge erhalten Handlungsmacht und werden so zu eigensinnigen, offenen Objekten.[1] Dieser Wandel entsteht u. a. im Kontext der Entwicklung von Technologien, die auf Grund einer informationstechnischen Codierung selbst organisiert operieren können.[2] In der Kybernetik der 1940er – 1970er Jahre geschieht dies z. B. über negative Rückkopplungen, mit denen ein System sich über den Abgleich von Ist-Soll-Werten regelt und steuert.[3] Diese Entfesselung der Dinge und die durch sie ausgelöste Irritation tradierter Vorstellungen zu Subjektivität sowie zur Beziehung von Mensch und Technik sind bis heute virulent. Dies manifestiert sich z. B. derzeit u. a. in Theorie und Praxis des Embodiment. Nach diesem Ansatz werden in der Robotik Geräte entwickelt, die sich ohne symbolische Repräsentation allein auf Grund ihrer physischen Konstitution steuern. Als Verkörperung sollen sich Agenten derart im Kontext ihrer Umwelt selbst organisiert bewegen können.[4] Damit wird eine eigenwillige Technik lanciert, die zugleich das Primat von Sprache und Kognition affiziert, da diese symbolischen Repräsentationen des Menschen aus Sicht der technischen Agenten nicht mehr an erster Stelle stehen bei der Selbstorganisation in der Umwelt. Embodiment nimmt des Weiteren in der aktuellen Theoriebildung zur Bestimmung von Medialität eine wichtige Rolle ein. Es werden Modelle entworfen, die von einer Verkörperung der Medien im Rezipienten ausgehen. In dieser theoretischen Perspektive wird Emotionen und Affekten bei der medialen Wahrnehmung eine entscheidende Rolle zugesprochen, womit die vor-sprachliche Ebene der Rezeption in den Fokus rückt.[5] So wird z. B. das Kinoerlebnis zum Vorgang der Integration des Rezipienten in die technisch-mediale Umwelt auf physiologischer Ebene. Sprache oder Narrative sowie Kognition verlieren auch hier an Bedeutung, so dass Mark B. Hansen von einer „postkinematographischen“[6] Ära spricht, in der aus Wahrnehmung eine Filterung auf einer mikro-physiologischen Ebene wird.

Die technische Innovation der Steuerung bedingt also eine Rekonfiguration der Entwürfe des Anthropologischen, da mit der Entfesselung der Dinge die Entität „Mensch“ offensichtlich ihre fixe und dominierende Stellung verliert. Er wird in eine Welt gestellt, die er nicht mehr mit Deutungen oder instrumentellen technischen Hantierungen bestimmen und beherrschen kann. Statt Mensch als das gänzlich Andere von Technik zu entwerfen, wird er nun mit technischen Dingen in einem Verbund verwoben. Grenzziehungen zwischen Subjekt und Objekt lösen sich damit auf und Existenz wird zu einem Prozess immer instabiler Zuordnungen und Konfigurationen. Es kommt, so Erich Hörl, zu einer technischen Sinnverschiebung[7], d. h. zu einer Verschiebung des Sinns von Technik, die zudem kulturelle Operationsfelder (etwa: Ökonomie, Politik, Wissenschaft[8]) sowie das Selbst- und Weltverständnisses des Menschen und den Sinn des Sinns affiziert. Die kybernetische Wende sowie die technische Sinnverschiebung verlangen mithin nach neuen Orientierungen, mit denen sich menschliche Agenten in einer entfesselten technischen Existenz verorten können, sowie nach neuen Weisen der Selbstbeschreibung einer Gesellschaft, die ihre tradierten Grundfesten verloren hat.

Von besonderer Wichtigkeit ist nun, dass in der technischen Sinnverschiebung der Sinn, der Technik und Sein je zugeschrieben wird, zum Teil erst von Technik hervorgebracht wird. So werden z. B. derzeit äußerst positiv besetzte Selbstbeschreibungen der so genannten postkybernetischen und posthumanen Gesellschaft und Kultur wie Emergenz, Rekursion, Steuerung oder Embodiment zu aller erst von den beschriebenen Technologien erzeugt. Dieser Umstand wird allerdings zumeist nicht zur Kenntnis genommen. Vielmehr ist die Einsicht in die technische „Natur“ der Sinnverschiebung mit Blickschranken belegt. Denn die seit den 1940er Jahren bestimmende Epistemologie der Steuerung entspricht, so Erich Hörl, einer „Faszinationsgeschichte des Nichttrivialen“[9]:

„Die theoretische Einstellung hat diese Sinnverschiebung, die uns in ein neues, nicht-triviales technologisches Milieu des Seins überführt, bislang nur unzureichend bedacht und deren Latenz nicht in klare Kontur und zum Ausweis gebracht. Wenn auch unzweifelhaft Korrekturen oder der Abbau etablierter Auslegungen und Semantiken angegangen wurden und werden – von den Versuchen zu einer neuen Ontologie des Zusammenseins und der Partizipation, dem Erstarken prozeßontologischer Ansätze über posthumanistische Analytiken menschlicher und nicht-menschlicher agencies bis hin zum Entwurf einer phänomenotechnischen Epistemologie und eines nichtgegenständlichen Denkens des Dings –, so mangelt es diesen Unternehmungen zumeist an Einsicht, daß sie selbst zu einem Gutteil von der technologischen Sinnverschiebung erzwungen und ihr Ausdruck sind.“[10]

Diese diskursive Produktivität der technologischen Sinnverschiebung stellt den Menschen sowie Forschung und Wissenschaft also vor eine hochgradig komplexe und komplizierte Aufgabe. Zum einen ist vor dem Hintergrund der informationstechnischen Selbstorganisation der Dinge und der Integration des Menschen in ein Verbundsystem mit ihnen eine neue Beschreibung von Dingen und Menschen nötig. Zum anderen ist dabei darauf zu achten, dass diese Selbstbeschreibung nicht technische Verfahrensweisen nacherzählt, ohne dies auf Grund der technischen Faszination zu erkennen.[11]

Die Online-Publikation will nun einen Beitrag zur Klärung in dieser komplizierten Lage leisten, indem u. a. die Akteurnetzwerktheorie als eine derzeit prominent verhandelte Selbstbeschreibung der Gesellschaft in Zeiten entfesselter Dinge beschrieben und überprüft wird. Es kann und soll natürlich nicht darum gehen, im Rahmen der Auseinandersetzung mit der Entfesselung der Dinge und der Deplatzierung des Menschen einen vermeintlichen Status Quo „des Menschen“ wiederzustellen. Denn wie Bernhard Siegert und Lorenz Engell sehr zu Recht schreiben: „Es gibt nicht den Menschen unabhängig von Kulturtechniken der Hominisierung.“[12] „Den Menschen“ als eine fixe Entität hat es nie gegeben und es wird ihn auch nicht geben können. Es geht an dieser Stelle vielmehr darum, aktuelle Konzepte und Projekte zur Selbstbeschreibung aus technik- und wissensgeschichtlicher Perspektive diskurskritisch in den Blick zu nehmen. Dies wird notwendig, da jede Weise der Erfindung des Menschen sowie des Designs des Daseins ein Konstrukt ist, das Vor- und Nachteile aufweist. Denn die Selbstbeschreibungen haben in einem machtpolitischen Kontext Bedeutung und ergeben einen psycho-sozialen Sinn. Dies gilt auch für die derzeit positiv gesehene Befreiung des Menschen von der Last bürgerlicher Subjektivität durch die technische Sinnverschiebung. Es gilt mithin zu erkunden, in welcher technikgeschichtlichen Situation die technische Sinnverschiebung aufkam, warum die Genese aktueller Konzepte aus ihr vergessen oder verdrängt wird und welchen Sinn die technische Sinnverschiebung im Hinblick auf eventuell entstandene kulturelle Notlagen haben könnte. Um die aktuellen Selbstbeschreibungen entsprechend diskurskritisch zu analysieren, kann allerdings nicht nur von einem kulturellen Apriori der Technik[13] ausgegangen werden. Denn Technik ist kein unhintergehbarer Fakt. Sie ist vielmehr nicht immer direkt zugänglich und wirksam, da sich ihre Entwicklung und Ausrichtung u. a. aus wissensgeschichtlichen Hintergründen speist. Das heißt, sie könnte auch anders aussehen, als je in einer historischen Phase realisiert. Des Weiteren kann eine Beschreibung von Technik selbst ein Diskurs sein, mit dem Technik umgedeutet wird. Dabei entstünde ein Ensemble aus Technik und diskursiver Metaphorisierung, das Technik, ihre Wirkung sowie Selbstbeschreibungen erst erzeugt. Vor diesem Hintergrund wird ein Bezugsrahmen für die Analyse vorgeschlagen, in dem das Zusammenspiel von technischen Verfahrensweisen mit deren diskursiven Überschreibungen und wissensgeschichtlichen Tradierungen als Konstituens von Medialität, Technik und Mensch gilt. Ziel ist es zu erkunden, wie und warum wir uns mit welchen Konsequenzen beschreiben und damit Dinge, Medien und Menschen erst erfinden und zugleich unter der Ägide derjenigen stehen, die wir erfinden. Mit der technischen Sinnverschiebung ist Mensch sicher in neuer Art in Umwelt und in zeitlichen, d. h. sich transformierenden Bewusstseinprozessen.[14] Die Welt der technischen Dinge spiegelt damit den Übergang des Menschen zu einem ständigen Werden. Es steht allerdings in Frage, wie dieses Werden bewertet wird und wie sich dieses zur Eigenwilligkeit der technischen Umwelt verhält. Welchen Sinn könnte es machen, wenn Emergenz, Störungen Transformation, Übersetzungen und Steuerungen zum Status Quo von Medialität und Existenz erhoben werden?

Szenarien für Akteurnetzwerke

Die Akteurnetzwerktheorie (ANT)[15], die u. a. von Bruno Latour entwickelt wurde, ist eine der Theorien, mit denen eine aktuelle Selbstbeschreibung versucht wird. Sie ist derzeit sehr prominent, geradezu zu einem Mainstream avanciert, sollen Dinge, Technik und Menschen in der Medien- und Kulturwissenschaft analysiert werden. Gerade weil die ANT zur wichtigsten Selbstbeschreibung avanciert ist, ist sie daraufhin zu prüfen, ob sie Teil der technischen Sinnverschiebung, also eine in Technik begründete Denkfigur ist. Diese Untersuchung kann u. a. im Abgleich von Theoremen der ANT mit Beschreibungen und Analysen der aktuellen technischen Lage vorgenommen werden. Einleitend in diese Untersuchung werden zwei Szenarien gegenübergestellt. Es handelt sich um eine Beschreibung eines Akteurnetzwerkes in der ANT und um eine Beschreibung der technischen Lage. Sind die Aktanten der ANT und die Position des Menschen in ihr, die als Ausdruck seiner längst fälligen De-Zentrierung gefeiert wird, Teil eines Modells, das endlich mehr Einsicht in die Konstitution von Kultur und Gesellschaft bietet? Oder ist das Modell der ANT vielmehr Teil einer technisch erzeugten Virtualisierung des Menschen, die im Gewand der Flexibilität verheißenden Transformation kaschiert und nobilitiert wird?

Szenario A: Mit der ANT

Mit der Akteurnetzwerktheorie werden Dinge, Tiere, Umwelt und Menschen als Netzwerk beschreibbar, in dem sie sich gleichberechtigt im Hinblick auf ein übergeordnetes Ziel organisieren und erzeugen. Entscheidend ist, dass in diesem Netzwerk dem menschlichen Aktanten keine herausragende Rolle mehr zukommt. Es kann gar nicht unabhängig vom Netzwerk beschrieben oder gedacht werden. Ingo Schulz-Schaeffer beschreibt paradigmatisch:

„In der Bucht von St. Brieuc hatte der Bestand an Kammmuscheln Anfang der 70er Jahre durch Überfischung und natürliche Feinde deutlich abgenommen. Zu diesem Zeitpunkt lernten drei französische Forscher auf einer Studienreise in Japan eine Technik kennen, mit der es dort gelingt, bestimmte Kammmuscheln gezielt zu kultivieren: Die Muschellarven werden in Kollektoren verankert, die im Meer schwimmen, wachsen dort vor Fressfeinden geschützt heran und werden dann auf dem Meeresboden ausgesetzt. Den Prozess der Übertragung dieser Form der Kultivierung auf die Spezies der Kammmuscheln von St. Brieuc (Pecten maximus) rekonstruiert Callon (1986)[16] als einen Übersetzungsprozess, in dessen Verlauf durch Redefinition der Identität und der Interessen der beteiligten Akteure ein Netzwerk wechselseitiger Verbindungen zwischen ihnen entsteht. Initiiert wird dieser Übersetzungsprozess von den drei Forschern. Ihr erster Schritt besteht darin, die Kammmuscheln, die Fischer und die eigenen Forscherkollegen als Akteure zu definieren, in deren Interesse das Vorhaben der Verankerung von Muschellarven in Kollektoren liegt. Sie argumentieren: ‚Wenn die Kammmuscheln überleben wollen (unabhängig davon, welche Mechanismen diesen Impuls erklären), wenn ihre wissenschaftlichen Kollegen auf diesem Gebiet ihr Wissen zu erweitern hoffen (was auch immer ihre Motivation sein mag), wenn die Fischer ihre langfristigen ökonomischen Interessen zu wahren hoffen (was auch immer ihre Gründe sind), dann müssen sie 1. die Antwort auf die Frage ‚Wie verankern sich Kammmuscheln?‘ kennen und 2. erkennen, dass ihre Allianz, bezogen auf diese Frage, jedem von ihnen zu Gute kommen kann.’ (Callon 1986: 205f.) Die Realisierung dieses zunächst hypothetischen Netzwerks von Allianzen hängt davon ab, ob die beteiligten Akteure die ihnen zugeschriebenen Rollen auch tatsächlich übernehmen (Enrolment). Im Prozess des Enrolment müssen die drei Forscher ‚ihre längsten und schwierigsten Verhandlungen mit den Kammmuscheln führen’ (211). Die Muschellarven sind nicht umstandslos ‚willens, sich in den Kollektoren zu verankern’ (211). Erst müssen die drei Forscher eine Reihe von Elementen ausschließen, ‚die den Allianzen, die die Forscher mit den Kammmuscheln zu schmieden wünschen, ablehnend gegenüberstehen’ (212): Fressfeinde, Parasiten, Urlauber, die an die Kollektoren stoßen, Meeresströmungen, die Turbulenzen verursachen, usw. ‚Mit den Kammmuscheln zu verhandeln heißt, zuerst mit den Meeresströmungen zu verhandeln’ (ebd.), mit den Parasiten usw. Das ist jedoch noch lange nicht alles. Um die Larven dazu zu bringen, ihre ‚Weigerung’ zu ankern (209, 219) aufzugeben und die Kollektoren als Unterschlupf zu ‚akzeptieren’ (205), müssen die drei Forscher zu ‚jeder Art von Zugeständnis’ (212) bereit sein, etwa hinsichtlich des Materials der Kollektoren oder der Höhe über dem Meeresboden, in der sie aufgehängt sind. Schließlich ist ein „modus vivendi“ gefunden, unter dessen Bedingungen ‚die Larven sich in signifikanter Weise verankern’ (213). Allerdings können die drei Forscher nicht allein entscheiden, was als signifikanter empirischer Beleg für die wissenschaftliche These gilt, dass sich Pecten maximus in ihrem Larvenstadium verankert. Hier kommen die wissenschaftlichen Kollegen als eine weitere Gruppe von Akteuren ins Spiel. Angesichts unterschiedlichen Erfolgs des Verankerungsexperimentes wird diese These in der wissenschaftlichen community zunächst in Zweifel gezogen. Für das Enrolment der wissenschaftlichen Kollegen erweist sich der Verhandlungsprozess der drei Forscher mit den Kammmuscheln als wichtig. Er überzeugt sie davon, dass die Verankerung der Larven nicht zufällig erfolgt bzw. nicht zufällig an bestimmten Kollektoren ausbleibt. Das Enrolment der Fischer gelingt problemlos. Die ihnen zugeschriebene Rolle als zukünftige ökonomische Nutznießer des Netzwerks zur Kultivierung der Kammmuscheln übernehmen sie ohne Aushandlungsbedarf. ‚Dieses Beispiel’, so Callon (1986: 214), ‚zeigt, dass die Definition und Distribution von Rollen (Kammmuscheln, die sich verankern, Fischer, die überzeugt sind, dass die Kollektoren helfen können, die Bucht zu regenerieren, Kollegen, die an die Verankerung glauben) das Resultat multilateraler Aushandlungen sind, während derer die Identität der Akteure bestimmt und erprobt wird.’“[17]

Alexander Szenario B: auf der Baustelle, mit Lufthansa revisited

Ein anderes Szenario stellt sich her, wenn technische Dinge fokussiert und bezogen auf ihre technischen Verfahrensweisen wahr- und ernst genommen werden. Denn technische Dinge sind ein ambivalentes Gefüge. Sie konstituieren sich sowohl aus kulturellen Überschreibungen wie aus technischen Operationen. Da ein problematischer Aspekt der ANT ist, dass sie die technischen Black Boxes nicht öffnet, soll im technischen Szenario ein Netzwerk von Agenten und Aktanten skizziert werden, in dem die Stellung berücksichtig wird, die Mensch in Kontext sich selbst organisierender Technik einnimmt.

Alexander: Beispiel Baustelle, für ein Agentennetzwerk. Diese Lage stellt sich vor allem mit einer technischen Umwelt her, die der Mensch nicht mehr in Gänze nachvollziehen kann und in die er nur noch sehr bedingt als intentionales Subjekt integriert ist. Was alles ineinander greift. Frage nach der Position des Menschen. Vergleich mit ANT-Netzwerk. Zugleich: der jüngste Trend bei Lufthansa. Back to the human.

Das Cyberlab St. Pölten 2010. Für und Wider Aktantennetzwerke

Das Cyberlab St. Pölten 2010, auf das Online-Publikation zurückgeht, sollte sich mit Aktantennetzwerken als Weise der Selbstbeschreibung einer Gesellschaft in Zeiten entfesselter Dinge auseinandersetzen. Ihm lag die Vermutung zugrunde, dass die ANT eine diskursive Beschreibung sein könnte, die eine technische Lage mit hervorbringt, statt einen Beitrag zu deren Analyse zu leisten. Denn in einem technischen Kontext, in dem der menschlichen Handlungsmacht wenig Bedeutung zukommt, könnten die Theoreme der ANT, in denen die Auflösung der Dominanz menschlicher Agenten prominent verhandelt wird, die technische Entwicklung befördern und konsolidieren. Um diese Vermutung zu überprüfen, sollte erstens die wissens- und technikgeschichtliche Genese der ANT rekonstruiert werden. Diese Rekonstruktion ist wichtig, da die Blickschranken, die Erich Hörl in der Faszinationsgeschichte des Nichttrivialen erkannte, eine Identifizierung der ANT als technische Denkfigur erschweren könnten. Sollte sich herausstellen, dass die ANT in der Geschichte der Entfesselung technischer Dinge angesiedelt ist, dann dürfte sie unter dem Verdacht stehen, dass sie nicht die Verfasstheit von Sozio- und Technokultur beschreibt, sondern sich als technischer Diskurs konstituiert. Es galt zweitens die aktuelle technische Lage zu sondieren und sie mit den Entwürfen zu Aktantennetzwerken in der ANT vor allem im Hinblick auf das Verhältnis von Mensch und Technik abzugleichen. Käme es in der aktuellen technischen Lage auf näher zu bestimmenden Ebenen zu einer Virtualisierung der menschlichen Agenten, dann wäre zu klären, welchen Nutzen die Nobilitierung von Agenten und Netzwerken in der ANT haben könnte. Die entsprechenden Untersuchungen wurden im Cyberlab 2010 in einem Symposium und in einem praktisch- künstlerischen Lab vorgenommen werden.

Im Zentrum beider Teile stand die Beobachtung der Kunst. Sie ist von besonderem Interesse, da Kunst als eine Weise gesehen werden kann, im Umgang mit Technik, diese sowie Vorstellung von Sein und Position des Menschen zu entwerfen und zu erproben. Zudem kommt es in Kunst und Theater zu einer Performativierung von Dingen, so dass ein Modus ihrer Entfesselung in den künstlerischen Praxen abgelesen werden kann. Die Arbeiten der eingeladenen Künstler waren prädestiniert für diese Recherche. Denn sie erzeugen auf je andere Weise eigentätige Objektwelten sowie Kooperationen von Menschen, Technik und Dingen. Dies geschieht etwa, wenn Louis-Philippe Demers Roboter performen lässt, Victor Morales mit modifizierten Game- Engines bizarre Wesen und Welten mit einem Eigenleben herstellt, Georg Hobmeier sich der Störung seiner Performance durch Elektrizität ausliefert und die von Dominik Busch programmierte grafische Software (Mustermaschine) ästhetische Produkte generiert.

Im Symposium wurden zunächst Künstler und Medien- und Kulturwissenschaftler in einen Austausch gebracht. Es sollte einen Bezugsrahmen für die praktische Arbeit im Lab bieten, indem Geschichte und Theorie der ANT vorgestellt und analysiert wurden. Ausgehend von den Beiträgen der Wissenschaftler sollten Merkmale zusammengestellt werden, an denen sich die Arbeit im Lab orientieren und mit denen es untersucht werden sollte. Es stand in Frage, ob im Lab Aktantennetzwerke erzeugt würden und welche Technik- und Wissensgeschichte mit ihnen in der Zusammenarbeit sowie in der Performance der Künstler aufgerufen würden. Es war des Weiteren zu klären, ob im Lab andere Selbstbeschreibungen von Mensch und Gesellschaft vorgeschlagen und erprobt werden. Es ging also auch darum herauszufinden, ob die ANT für die Beschreibung von Kunst geeignet ist, oder ob sie über die ANT hinausgeht bzw. eigene Impulse zur Selbstschreibung entwickelt. Ausgangspunkt für diesen Fragenkomplex war die Beobachtung, dass in der aktuellen technischen Lage, in der sich technische Dinge zunehmend selbst organisieren, ohne den Menschen unbedingt zu integrieren, eine Wende von einer interaktiven zu einer generativen Medienkunst festzustellen ist. So galten bis Ende der 1990er Jahre Medien in der Medienkunst wie selbstverständlich als Mittel der Kommunikation. Das zeigt sich am Primat der Interaktion von Mensch und Technik, so dass diese Nutzung als eine „menschliche Kunst“ erscheint. Dieser Anschein des Menschlichen gelang, indem die un-/mögliche Übersetzung zwischen Mensch und Technik ausgespart wurde.[18] Seit ca. 2005 ist dagegen eine deutliche Betonung des Generativen zu verzeichnen, mit der die Eigentätigkeit der Medien, ihr „Processing“ betont wird, so auch der sinnfällige Name eines wichtigen Programms in diesem Bereich[19]. Mit dieser „künstlichen Kunst“[20] wird die Beziehung von Mensch und Technik neu beschrieben. An die Stelle einer Sicht auf Medien, die sie als Extensionen und Verbesserungen des menschlichen Körpers[21] entwirft und nutzt, tritt die Idee der Steuerung vernetzter, operativ geschlossener Systeme.

Nach dieser theoretischen Orientierung im Symposium arbeiteten Medien- und Performancekünstler im Lab zusammen. Sie erprobten, welche Verhältnisse von Mensch und Technik sich in ihrer Zusammenarbeit konstituieren würden.

Eine Online-Publikation

Die mit der Publikation zu unternehmende Kultur der Beobachtung der Kunst sowie der diskursanalytischen Betrachtung der Faszinationsgeschichte der technischen Sinnverschiebung sollten auch durch die Form der Publikation nachvollziehbar werden. Dies umzusetzen, ist ein besonderes Format nötig, das andere Möglichkeiten bietet als die Publikation von Aufsätzen oder Dokumentationen im Buch. Gesucht wurde ein Medium, in dem Materialien für die Generierung von Wissen zur Verfügung gestellt werden können, statt wie im Buch Wissen zu konsolidieren. Damit eine eigene Recherche und Auseinandersetzung der Rezipienten möglich werden, ist eine noch kaum erprobte Online-Publikation am besten geeignet. Da das Internet bisher für die Erstellung von Lexika, Archiven und Dokumentationen z. B. von Tagungen aber noch kaum für ein „Internet-Buch“ erprobt wurde, wird allerdings Neuland betreten und es gilt, ein angemessenes Format zu entwickeln. Grundlage für dessen Konzeption ist ein Vergleich von Möglichkeiten der Publikation mit denen einer Print-Version.

Die Online-Publikation ist auf Grund ihrer besonderen Verbindung von Buch und Internet, mit der deren jeweilige Qualitäten sich gegenseitig befruchten, für die angestrebte Flexibilisierung von Wissen sehr gut geeignet. Denn hier verbinden sich die Dynamisierung und Demokratisierung von Wissen durch das Internet mit der wissenschaftlich fundierten Kommentierung und Konsolidierung von Wissen im Printmedium. Die avisierte Diversität und Offenheit in der Online-Publikation stellen sich gleichwohl nicht von selbst her, sondern erst mit Hilfe einer geeigneten Organisation und Aufbereitung des Materials. Ein wichtiger Faktor ist (1) das Material, das in einer Online-Publikation im genutzt werden kann. Im Gegensatz zum Buch können z. B. Videomitschnitte der Vorträge sowie der Diskussionen und St. Pöltener Gespräche online zur Verfügung gestellt werden. Diese sind von besonderem Interesse, denn diese Dokumente machen die Entstehung von Wissen nachvollziehbar und stellen diese gegen seine Manifestierung. Vorträge und Diskussionen fordern also anders als der geschlossene Text, der ein fertiges Produkt ist, ein Denken in progress. Damit partizipiert die Online- Publikation zugleich an der technischen Sinnverschiebung, die durch die Entfesselung der Dinge eintritt. Mit ihr wird Wissen zu einem Werden und zu Transformation und unterliegt damit einer Temporalität, die an die Stelle gesicherter Erkenntnisse deren Historizität und Vorläufigkeit stellt. Da die Online-Publikation (2) keine bloße Dokumentation ist, sondern wie ein Buch gegliedert und mit ausführlichen Einleitungen versehen, wird das Material nicht schlicht zur Verfügung gestellt, sondern vielmehr auf Grund der angefügten Lektürevorschläge überhaupt erst lesbar gemacht. Es wird allerdings nicht der Anspruch erhoben, dass die Lektürevorschläge die einzig mögliche oder die richtige Deutung erfassen würden. Sie dienen vielmehr als Mittel einer potenziellen Lesbarmachung sowie als Reibungsfläche für die individuelle Lektüre. Es geht mithin um ein experimentelles Wissen und Lesen. Dazu gehört auch, dass die einzelnen Bestandteile vom Leser individuell anders zusammengefügt werden können, als in der Online-Publikation vorgeschlagen. Eine erste Vorlage für potentielle Umstellungen bietet die Organisation der Beiträge in der Online- Publikation. Indem unterschiedliche Texte mehrfach auftauchen, zeigt sich exemplarisch, dass sie in jedem Kontext einen anderen Schwerpunkt erhalten. Damit eigene Umstellungen der Leser möglich werden, ist ein Kapitel mit kurzen Zusammenfassungen der einzelnen Beiträge beigefügt.[22] Auf Grund der Relevanz der technischen und kulturellen Zäsur ist es (3) eher von Nutzen, eine Vielfältigkeit und Differenziertheit der Forschung zu initiieren, statt zu einer übergeordneten, verbindlichen Lehrmeinung beizutragen. Auch hier ist die Online-Publikation das probate Mittel, denn sie ermöglicht eine Dynamisierung des Forschungsprozesses, da Beiträge der Nutzer hinzugefügt werde können. Damit kann eine offene, demokratische Kultur der wissenschaftlichen Auseinandersetzung ermöglicht und gefördert werden. Das heißt, da die Publikation das Material des Cyberlab online und nicht in Buchform präsentiert, ist es veränder- und aktualisierbar. Dieses Potenzial soll unterstützt werden durch die Gestaltung der einzelnen Kapitel und ihrer Lektürevorschläge. Sie schaffen gleichsam inhomogene „Diskursbecken“, da kontroverse Ansätze und Überlegungen zu einem Thema zusammengebracht werden und sich gegenseitig kommentieren und konterkarieren. Derart ist der Rezipient zum einen aufgefordert eine eigene Ordnung des Wissens sowie eine Haltung dazu zu entwickeln. Zum anderen soll die Inhomogenität dazu beitragen, dass Stolpersteine das Denken irritieren und derart Blickschranken entdeckt und diskurskritische Analysen hervorgerufen werden können. Damit diese technischen und inhaltlichen Möglichkeit des Internet auch genutzt werden kann, ist schließlich (4) eine maximale Verbreitung in einer diversifizierten Leserschaft nötig. Diese kann mit einer Online-Publikation eher erreicht werden als mit einem Buch.

Es geht also darum, mit der Online-Publikation zu entfesselten technischen Dingen exemplarisch die Möglichkeiten zu erkunden, wie das Internet sinnvoll für geisteswissenschaftliche Forschung genutzt werden kann. Mit Bezug auf die oben ausgeführten Konzepte und die Organisation des Materials geht es um die Erprobung des Internet für eine diskursanalytische Wissenschaft, der es gelingt, die eigenen Blickschranken im vielschichtigen Austausch aufzudecken. Ein großes Potenzial, das sich mit der Nutzung des Internet für geisteswissenschaftliche Forschung auftut, ist die Präsenz unterschiedlichster Texte online. Um dieses Potenzial herauszustellen und in seiner Tragfähigkeit zu testen, haben sich die Herausgeber selbst einem Experiment unterzogen und versucht, in weiten Teilen auf im Internet verfügbare wissenschaftliche Literatur sowie auf fachbezogene Sites und nicht vor allem auf Print-Versionen zurückzugreifen. Das Ergebnis ist in der Online-Publikation insofern dokumentiert und wird den Lesern zur Verfügung gestellt, als die Lektürevorschläge zu den einzelnen Kapiteln mit den entsprechenden Links zur themenspezifischen „Online-Bibliothek“ versehen sind. Selbstverständlich hängt Wissen von seiner medialen Präsentation und Archivierung ab. Das heißt, wenn das Internet als Bibliothek genutzt wird, dann unterliegen die Funde z. B. dem Suchalgorithmus und Ranking bei Google und damit der Gefahr, Wissen nach Mainstream, also nach der Quantität der Aufrufe zu generieren.[23] Gleichwohl ist der Zugang zu Wissen im Internet ein neues, noch wenig reflektiertes und fundiert erprobtes Potenzial. Um das begonnene Experiment fortzuführen, wird eine Liste der bis zum Zeitpunkt des Erscheinens der Online-Publikation genutzten Links zu Verfügung gestellt, die erweitert werden kann. Auf diese Weise kann exemplarisch eine Teilbibliothek zur Erforschung der Ära entfesselter Dinge entstehen. Schließlich bietet sich die Online-Publikation als ein Versuchsfeld für wissenschaftliches Arbeiten online an, um die Potenziale dieses Modus zu erproben und die Art des mit ihm entstehenden Wissens zu reflektieren. Es dürfte ohne Frage ein sich wandelndes Wissen entstehen, das nach eigener Positionierung und weniger nach einer Subsummierung unter große Forschungsthesen verlangt.[24] Es geht mithin um eine Nutzung des Internet für open content[25], ganz in Anlehnung an Theorie, Praxis und Geschichte der Bewegung des „open scource“[26] im Bereich der Softwareentwicklung.

Schließlich lag die Entscheidung für eine Online-Publikation aus einem weiteren Grund nahe. Die Arbeiten der am Cyberlab teilnehmenden Künstler sind aufs Engste mit Software verbunden, entstehen erst aus ihr. Programme wurden deshalb auch im Cyberlab zu einem wichtigen Bestandteil der Auseinandersetzung mit der Beschreibung eines zeitgenössischen Verhältnisses von Mensch und Technik. Zur Anwendung kamen modulare Weisen der Programmierung, die zum einen dem Nutzer Möglichkeiten zum kreativen Programmieren bieten.[27] Zum anderen verschließen sie sich auf Grund der Modularität dem Zugriff und operieren selbstorganisiert, mithin als eigentätige, entfesselte technische Dinge. Diese Ambivalenz wurde zu einem zentralen Thema in den Diskussionen, ging es darum, die ANT mit der aktuellen technischen Lage abzugleichen. Denn diese Lage wird entscheidend erzeugt von der modularen Software, die nicht nur im Creative Coding in der Kunst eine Rolle spielt. Vielmehr taucht es auch in Logistik, der Organisation von Arbeit sowie der Modellierung in der Simulationsprogrammierung auf. Das heißt, es liegt eine strukturelle Analogie unterschiedlicher Programme vor, die zu einer Veränderung der Kulturtechnik Programmieren führen.[28] Diese Veränderung ist in Fortsetzung kybernetischer Steuerungstheoreme als eine Entfesselung der Programme zu bewerten, die dazu führt, dass sie den menschlichen Agenten nicht mehr benötigen. Das modulare Programmieren involviert den Nutzer und es schließt ihn zugleich aus und führt so zu seiner Virtualisierung. Die Programme, mit denen die Künstler arbeiten, markieren mithin nicht nur den aktuellen Stand der Technik. Sie rufen zudem die Wissensgeschichte der Entfesselung technischer Dinge auf. Diesen Umstand zu analysieren und zu bewerten, ist die Technik selbst heranzuziehen. Die genutzten Programme sowie deren aktuelle Entwicklungen, die zum Teil in Online-Communities erfolgen, sowie die Diskussion über die Entwicklung in die Publikation zu integrieren, wäre im Buch schlicht nicht möglich. Im Internet dagegen kann die Implementierung von Versatzstücken der Software sowie die nötige Verlinkung zu weiterführenden, themenbezogenen Seiten erfolgen und somit diese Grundlage der Ära der entfesselten technischen Dingen einer konkreten geisteswissenschaftlichen Forschung zugeführt werden.

Die Kapitel und ihre Lektürevorschläge

Die Online-Publikation zum Cyberlab übersetzt also das künstlerisch- wissenschaftliche Experiment so in Buchform, dass der Leser die mit dem Cyberlab unternommenen Reflexionsschritte nachvollziehen kann. Es gilt, Medienkunst als eine Praxis beobachtbar zu machen, mit der Verhältnisse von Mensch und Technik entworfen und praktiziert werden und die somit Auskunft über die aktuelle Lage und Selbstbeschreibung der Gesellschaft geben kann. Diese Beobachtung der Kunst herzustellen, werden in einzelnen Kapiteln die Künstler des Labs und ihre Arbeit vorgestellt. Ihnen werden wissenschaftliche Aufsätze sowie Beschreibungen der Arbeit anderer Künstler zur Seite gestellt, die das Schaffen der Teilnehmer des Lab aus unterschiedlichen Perspektiven kontextualisieren, kommentieren oder konterkarieren. Diese Kapitel werden von „Lektürevorschlägen“ eingeleitet, deren Aufgabe es ist, das Zusammenspiel der einzelnen Beiträge eines Kapitels vor-zudenken und damit eine Analyse von Medienkunst im Hinblick auf den Umgang mit technischen Dingen und auf eine Zäsur in Verhältnis von Mensch und Technik vorzubereiten. Die Kapitel zur Beschreibung der Arbeit der Künstler sind somit als „Diskursbecken“ sowie als Arbeitsmaterial für die eigene Forschung angelegt. Das theoretische Dach der Publikation gibt einleitend einen Bezugsrahmen für die Reflexion der ANT sowie des im Lab entstandenen Netzwerkes von Technik und menschlichen Aktanten. Zum einen wird die Genese der ANT rekonstruiert, um an ihr deren Diskursivität überprüfbar zu machen. Zum anderen wird eine Analyse der aktuellen technischen Lage den Theoremen der ANT entgegengestellt. Im abschließenden Kapitel der Online-Publikation werden die Zusammenarbeit im Lab sowie die Beobachtungen und Erkenntnisse aus den Künstler-Kapiteln zusammengeführt und im Hinblick auf deren Bezug zur technischen Sinnverschiebung ausgewertet.

Ziel ist es, durch diese gegenseitigen Kommentierungen einen Realitätsabgleich zu inszenieren, in dem technische Entwicklungen, deren diskursive Überschreibungen sowie Metaphorisierungen von Technik im Umgang mit ihr erkennbar und unterscheidbar werden. Derart soll der Vorgang der Konstitution des Verhältnisses von Mensch und Technik als Zusammenspiel von Technik, Diskurs, Metapher und Kunst nachvollziehbar werden. Mit dieser wechselseitigen Kommentierung wird eine Kultur der Beobachtung vorgeschlagen und erprobt. Sie entspricht zugleich einer Methode für künstlerisches und wissenschaftliches Arbeiten, das sich der Ontologisierung diskursiver Überschreibungen von Technik sowie der unreflektierten Übernahme von Auswirkungen technischer Milieus in Ideen- und Wissensgeschichte widersetzt. Beobachtung meint nämlich, mit Abstand und Distanzierung auf Karrieren von Denkfiguren zu schauen und eher deren Wissensgeschichte zu rekonstruieren, als ihren aufgeregten Analysen des Zeitgenössischen zu folgen. Zugleich gilt es, aus dem Material der Online- Publikation eine eigene Analyse anzustellen, indem aus ihm eine Beschreibung des aktuellen Verhältnisses von Mensch und Technik formuliert wird. Dieses konstituiert sich aus einem prekären Subjekt[29], das sich seiner Lage, seiner Existenz sowie seiner Wahrnehmungen nie sicher sein kann und in einer Folge von S(t)imulationen lebt. Gemeint ist damit, dass die Konstitution von Wissen in der Ära der technischen Sinnverschiebung aus einer gewussten Selbst-Täuschung besteht.

Der theoretische Rahmen. Genese und Grenzen der ANT

Die theoretischen Beiträge setzen sich zusammen aus einem Gespräch von Claus Pias und Christian Kassung, Vorträgen von Erich Hörl, Alexander Firyn und Hans-Christian von Herrmann sowie einer Diskussion der Referenten. Die Beiträge legen aus unterschiedlicher Perspektive die Vermutung nahe, dass die Beschreibung techno-sozialer Umwelten als Vernetzung von Agenten in Operationsketten, wie die ANT in der zeitgenössischen Medienwissenschaft pointiert wird[30], aus medienhistorisch und medientechnisch induzierten epistemischen Zäsuren hervorgeht. Diese erhebt die ANT allerdings zur Konstitution von Gesellschaft. Eine der maßgeblichen Zäsuren ist die Erfindung agentenbasierter Simulationen in den 1960er Jahren (Claus Pias). Mit ihr gingen Wissen und Erkenntnis in Wissenschaft und Forschung in einen Modus der Konstruktivität und Hypothesenhaftigkeit über. Diese Epistemologie der Simulation wird in die Geisteswissenschaften, u. a. derzeit mit der ANT, übersetzt als experimentelle und konstruktive Konstitution von Gesellschaft, Existenz und Wissen. Eine andere für die ANT äußerst relevante Konstellation ist eine objektgeschichtliche Zäsur seit den 1950er Jahren, mit der Objekten Agency zugesprochen wurde (Erich Hörl). Sie bedeutet zugleich eine Krise der Intentionalität des Subjektes, das in die technische Umwelt verstrickt wird, während sich Subjektivität, Sinn und Objekte in einen Status ununterbrochener Metamorphose entfesseln. Diese Denkfiguren zeigen sich im diskursanalytischen Blick allerdings als neo- animistische Konzepte, mit denen das Gespenstische einer schwer kontrollierbaren und den Menschen involvierenden und zugleich ausschließenden Technik zum Ausdruck kommt. Eine weitere Domäne der objektgeschichtlichen Zäsur sind Entwicklung und Ausformung der digitalen Kunst seit den 1960er Jahren (Hans-Christian von Herrmann). In dieser künstlichen Kunst geht es um eine ästhetische Nutzung von Programmen. Mit ihr geht die Annahme einher, dass Existenz und Bezug zur Welt spätestens im Zeitalter des Computers in einer mathematisch grundierten Künstlichkeit und Emergenz verankert sind. Die Untersuchung von Software schließlich steht innerhalb der theoretischen Rahmung der Publikation exemplarisch für aktuelle technische Entwicklungen der umfänglichen Durchsetzung von Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur mit digitaler Informationsverarbeitung (Alexander Firyn). Sie gründet in einer Kombination und Vernetzung unterschiedlicher, dem Nutzer nicht mehr zugänglicher Module. Dies bedingt eine Virtualisierung der Nutzer sowie eine Industrialisierung von Software, die das euphorische Begrüßen einer Theorie zum Netzwerk unterschiedlicher Aktanten zumindest problematisch werden lässt. Zentrale These der abschließenden Diskussion ist, dass sich mit den zeitgenössischen Entwicklungen von Software eine epistemische Wende konsolidiert, mit der Theoretisierung von der bloßen Beschreibung abgelöst wird. Forschung wird zu einer Verhaltenswissenschaft, in der, ähnlich wie im zeitgenössischen Programmieren, Bausteine kombiniert und modelliert, aber nicht mehr analysiert werden. In ihrer Verwobenheit mit diesen Wissensformationen und technischen Entwicklungen wird ANT somit als ein technischer Diskurs sowie als Trägerin einer technischen Sinnverschiebung lesbar.

Theater und Medien. Remote control models

Im Kapitel wird die Beziehung von ANT und zeitgenössischer Theaterarbeit mit Medien reflektiert. Ausgangspunkt ist die Arbeit des Performers Georg Hobmeier. Markenzeichen seiner Performances ist, dass er sich über Elektroden im Gesicht oder an den Extremitäten an Stromstöße anschließt, die das Vortragen von Texten sowie Mimik und Gestik erheblich stören. Damit ruft Hobmeier zugleich durchaus bewusst eine Geistergeschichte von Medien auf den Plan, die um 1900 und um 1960 schon einmal eine wissens- und technikgeschichtliche Zäsur begleitete, so Martina Leeker in der eingefügten Kommentierung und Kontextualisierung. Unerklärbare Technik wurde mit übersinnlichen Phänomenen wie Geistererscheinungen, Telepathie und psychedelischen Bewusstseinserweiterungen gleichgestellt und so der Ausschluss des Menschen aus der Technik ausgeblendet. Dieser Ausschluss war um 1900 durch die Differenzierung signaltechnischer symbolischer Operationen (z.B. Telegrafie) von kontinuierlichen, analogen Performances entstanden. Indem diese Differenz in einem diskursiven System von Resonanzen und Schwingungen unterlaufen wird, kann der menschliche Agent scheinbar integriert werden. Auch Klaus Obermaier setzt in seiner Theaterarbeit technische Medien ein. Prägnant sind seine Inszenierungen, in denen virtuelle Welten auf die Körper der Akteure projiziert werden, die sie durch ihre Bewegungen erst hervorbringen. Im Gegensatz zu Hobmeier kommt es hier allerdings nicht zu einer Rückkopplung von Mensch und Technik, sondern zu einer potenziellen Verabschiedung des menschlichen Akteurs. Denn statt wie Hobmeier mit den Medien zu schwingen, umstellt und umlagert Obermaier den Akteur mit digitalen Animationen, die mehr können als der menschliche Körper und diesen steuern. Damit schließt Obermaier an die Theaterarbeit von Edward Gordon Craig um 1900 an, mit der der menschliche Akteur zugunsten einer Übermarionette als Vorläufer der Animation verabschiedet wurde. Gemeinsam ist Hobmeier und Obermaier, dass sie an einer „Theatergeschichte technischer Medien“[31] partizipieren, in der Beziehungsweisen von Mensch und technischer Umwelt modelliert werden. Diese Geschichte legen beide Künstler in besonderer Weise als remote control Modellierung aus. Hobmeiers remote control models schließen an Vorstellungen einer elektrischen Rückkopplung zwischen Mensch und Technik an, die seit 1900 virulent sind. Die Daten(t)räume von Obermaier verweisen dagegen auf die informationstechnische Seite der Computergeschichte. An die Stelle eines elektrischen, auf Schwingungen und Resonanzen beruhenden Feedbacks zwischen Mensch und Umwelt, tritt ein auf Informationsbearbeitung beruhendes kybernetisches Modell. Die menschlichen Akteure sind nun im Sinne der Selbstorganisation durch die selbstbezügliche Wiedereinführung von Outputs als Inputs remote controll models. Diese Theatergeschichte der Medien ist ein wichtiger Bezugsrahmen, um die ANT einer diskurskritischen Analyse zu unterziehen. Zum einen könnten die Aktanten der ANT an der Gespenster- und Geistergeschichten des Animismus partizipieren. Zum anderen ist zu prüfen, ob es sich bei der ANT um einen Versuch handelt, die Konvergenz der Medien im universellen Symbolismus des Computers, die den Menschen aus medientechnischen Operationen ausschließt, zu Vernetzung unterschiedlicher Agenten umzudeuten. Die Vorteile eines klassischen oder traditionellen Theaters betont schließlich Ulf Heuner in einer Lesung. Er setzt die kulturellen Leistungen der Kontemplation sowie der distanzierten, im Inneren des Betrachters stattfindenden Reflexion gegen ein schließlich doch nur bevormundendes und erzwungenes Mitmachen, Mitschwingen und Mitsteuern von Zuschauern.

Performing Robots – Entfesselte Objekte

Während es bei Hobmeier um eine sehr materielle Kopplung des Menschen an eine sich elektromagnetisch entfesselnde Objektwelt geht, beschäftigt sich Louis-Philippe Demers mit einer diskursiven und imaginären Bezugnahme auf technische Objekte. Er arbeitet mit Robotern, die er in performance-artige Situationen bringt, in denen sie als Akteure erscheinen. In dieser Grenzüberschreitung der tradierten Dichotomie von intentionalen Subjekten und toten Objekten macht Demers klar, dass die Entfesselung der technischen Objekte vor allem mit einer Lust des Menschen an Anthropomorphisierungen zu tun hat. Mit diesen behauptet der menschliche Betrachter seine Handlungsmacht und verliert sie zugleich, indem er sich den Apparaten ähnlich macht. Die Faszination der performenden Roboter sowie der Hang zu deren Anthropomorphisierung wird von Erich Hörl als Ausdruck einer seit den 1950er Jahren zu verzeichnenden objektgeschichtlichen Zäsur und einer damit einhergehenden Krise der Intentionalität des Subjektes rekonstruiert. Diese Zäsur und Krise seien allerdings weniger als eine Beschreibung der durch entfesselte technische Objekte ausgelösten Lage als vielmehr als eine Reaktion auf diese zu verstehen. Denn Hörl identifiziert die Entfesselung der Objekte als einen Neo-Animismus, mit dem das Gespenstische von Technik zu einer Theorie eben dieser Technik wird. Seit 2009 setzt Demers mit den Tiller Girls eine Generation von Robotern ein, die aus der New Artificial Intelligence kommt, die auf Theorie und Praxis des Embodiment fußen. Im Gegensatz zur tradierten Idee der KI, dass Intelligenz in der formalen Manipulation von Symbolen bestünde, wird hier davon ausgegangen, dass sie ohne den Körper und dessen Sein in einer Umwelt gar nicht denkbar ist. Mit einem anderen Körper entstünde eine andere Intelligenz. Damit verändern sich Vorstellungen von Maschine und Menschen, da im Topos der physischen Materialität von Intelligenz die herausragende Rolle des Menschen als vor allem denkendes und mit Bewusstsein ausgestattetes Wesen unterminiert wird. Was auf den ersten Blick als Anerkennung der Komplexität von Sein und Denken sowie als Überwindung der cartesianischen Trennung von Körper und Geist erscheint, entpuppt sich allerdings auf den Zweiten als Abschaffung von Entitäten in einem So-Sein experimenteller Optimierung. Damit unterscheidet sich die Neue KI des Embodiment von den Vorstellungen Latours zu Agenten und Netzwerken. Während die ANT nämlich noch Enitäten voraussetzte, lösen sich diese im Embodiment da auf, wo nur noch variable Körper-Umwelt-Systeme existieren. Was die ANT also vergleichsweise abstrakt behauptete, nämlich die Agency nicht-menschlicher Agenten sowie die Vernetztheit von Agenten in einer Umwelt, mit der sie erst entstehen, setzen zeitgenössische Kognitionswissenschaft und Robotik materialiter um, indem sie – zumindest diskursiv - über intelligente Körper und Umwelten Agenten konstruieren und züchten. Wenn der Mensch nun diese Demers’schen Roboter betrachtet, sieht er fremden Agenten bei ihrer Organisation in Körper und Umwelt zu und lernt exemplarisch an ihnen etwas über Intelligenz und Spezies sowie über die Fragilität von Identität und So-Sein im Status der beständigen Transformierbarkeit. Die künstlerische Auseinandersetzung mit Robotern deckt also die Genese der ANT aus der Kognitionswissenschaft und der KI-Forschung auf, die zugleich weit über die ANT hinausgehen, indem sie ihr gleichsam ihren materialistischen Horizont vorhalten. Das Ende des Anthropomorphisierens in diesen Performances entspricht dem Ende des Anthropologischen in künstlicher Intelligenz. Roboter tanzen den Abschied von Subjektivität und Bedeutung und führen diese zu einer a-signifikanten Assemblage von In-der-Welt-Seiendem. Theater und Performance werden zu einem Schwellenraum, in dem Innen und Außen aufgehoben sind und so zu einem Ritual der blanken Präsenz werden. Die embodied Roboter geben damit einen Ausblick auf Existenz nach der objektgeschichtlichen Zäsur. Sie wird zu einem unreflektierbaren ökologischen In-der-Welt-Seins. Ihr Horizont ist der Übergang des Digitalen zum Biofaktischen und damit zu einer Auflösung tradierter Grenzen von Spezies.

Daten-Kunst

Im Kapitel zur Arbeit von Dominik Busch geht es um die Frage, ob und wie Daten oder Software Kunst hervorbringen können. Diese Vorstellung geht zurück auf die von Max Bense in den 1960er Jahren begründete Stuttgarter Schule. Hier ist nicht mehr das Produkt selbst von Belang, sondern vielmehr die Ermöglichung von Prozessen z. B. durch Software. Ganz in dieser Tradition hat Dominik Busch eine „Mustermaschine“ programmiert, die nach Eingabe des Nutzers nach algorithmischen Vorgaben selbsttätig Muster generiert. Diese ästhetische Entfesselung von Daten und Maschinen wird durch einen Beitrag von Hans-Christian von Herrmann kontextualisiert, in dem er die Wissens- und Technikgeschichte der Computerkunst rekonstruiert. Er kommt zu dem überraschenden Ergebnis, dass Medienkunst nicht aus einer technischen Option entsteht, sondern aus einer ideengeschichtlichen Rahmung. Sie korrespondiert nämlich mit der Konzeptkunst der 1960er Jahre, die den Prozess und die Prozessierung über das Kunstwerk stellt und also ist Medienkunst nicht originär an Technik gebunden. Die Tradition der generativen, vom Computer gemachten Kunst würde sich heute fortsetzen im Creative Coding[32]. Es kommt zu einer Zäsur in der Entwicklung von Software sowie in der Kulturtechnik Programmieren, mit der es über Vereinfachungen, z. B. über grafische Benutzeroberflächen, auch Nicht- Programmierern ermöglicht wird, zu programmieren und eigene kreativ- künstlerische Objekte herzustellen. Damit ist der Nutzer immer mehr von eigentätigen Programmen umgeben, die er bedienen und programmieren, aber nicht mir gänzlich kontrollieren kann. Daten, Software und Menschen teilen sich Handlungsmacht. Ein Beispiel für Creative Coding ist u. a. das von Jeremy Bernstein entwickelte und vorgestellte Programm Max/MSP/Jitter. Auch in der Darstellenden Kunst bzw. im Film hält die Kunst der Daten Einzug wie Irina Kaldrack an den über Motion Capture gewonnenen „Figuren“ der Schauspieler im Film Avatar verdeutlicht. Sie schließen aus mediengeschichtlicher Sicht an die apparatetechnische und formalisierte Bewegungsforschung an, die des Menschen als Vorlage von Beginn an gar nicht bedurfte. Somit markiert dieser Film aus Daten ein Ende der theatralen Einfühlung sowie der anthropologischen Narration im Kino und setzt an deren Stelle eine Affirmation des Technischen. Menschliche Schauspieler performen Daten, Apparate und Formate und bezeichnen dies unbedacht als einen Sieg theatraler Einfühlung über Technik. Auch hier geht Kunst mithin weit über die ANT hinaus. Denn während in der ANT noch an menschlichen Agenten als relevante Instanz festgehalten wird, hat man sich ihrer im nach- anthropologischen Kino bereits entledigt.

Daten-Geschichten

Victor Morales ALEXANDER

Auswertung des Lab. Neo-Animismus und Datengebertum

Analyse und Ausblick

Im letzten Kapitel wird die Zusammenarbeit der Künstler im Lab mit einer kritischen Analyse der ANT aus ihrer Genese aus der objektgeschichtlichen Zäsur und technischer Sinnverschiebung konfrontiert und kommentiert. Diese Rekonstruktion zeigt, dass die mit der ANT einhergehende Auflösung eines intentionalen Subjektes, einer dialogischen Kommunikation sowie einer instrumentellen Sicht auf Technik und Objektwelten ausgerechnet in einem Moment geschah, in dem technische Entwicklungen wie smarte, sich selbst und unabhängig vom Menschen organisierende Dinge und Umwelten im Dienste wirtschaftlicher und politischer Interessen zu einer Virtualisierung der Nutzer und zu deren Degradierung als Datengeber führten[33]. Es wird deutlich, dass gerade die prominente ANT gar nicht die aktuelle technische Lage beschreiben und analysieren kann. Vielmehr erscheint sie als deren integraler Bestandteil, da sie federführend an der diskursiven Überschreibung von Technik beteiligt ist, mit der im Verbund mit technischen Verfahrensweisen Technik und Medien sowie deren Verhältnis zum Menschen überhaupt erst hervorgebracht werden. Es wird nahe gelegt, dass mit der ANT unter Verdeckung technischer Auswirkungen und ökonomischer und politischer Interessen sowie mittels der Ausblendung der Unterschiede von Hardware und Software die Degradierung der Menschen zum Datengeber in der Gestalt von Aktanten überspielt und beschönigt wird.

Diese Analyse gibt den Rahmen vor, in dem die Arbeit der Künstler im Lab im Hinblick darauf betrachtet und beurteilt wird, welchen Beitrag sie zu objektgeschichtlichen Zäsur und technischen Sinnverschiebung leisten. Die Zusammenarbeit der Künstler gründete scheinbar sehr ähnlich den Denkfiguren der ANT auf einer Vernetzung unterschiedlicher Geräte, Daten und Aktanten. Grundlage waren Abnahme und Transport von Daten, mit denen die unterschiedlichen Bestandteile sich gegenseitig steuerten. In diese Steuerung waren der menschliche Performer, virtuelle Videogame-Welten, die Roboter von Louis-Philippe Demers, die Mustermaschine von Dominik Busch sowie Licht und Ton involviert. In der Zusammenarbeit entstand so ein selbstorganisiertes System. Zugleich aber und entgegen der Theoreme der ANT blieb der Mensch ein wichtiger Faktor in diesem System. Er war als überwachende und kontrollierende Instanz integriert und zugleich einer im Datentransfer eskalierenden, nicht mehr herleitbaren Unkontrollierbarkeit der Maschinen ausgeliefert. Somit ist die medienkünstlerische Arbeit zum einen an der Erzeugung von Aktanten und Netzwerken mit verteilter Handlungsmacht beteiligt. Zum anderen blieb der Künstler gleichwohl der Handlungsträger, der Entscheidungen treffen und Eingriffe vornehmen konnte. Derart leistet Medienkunst einen Beitrag dazu, Procedere und Wirkung von Technik und Ökonomie mit Metaphorisierungen zu überdecken. Damit wird der Durchsetzung der diskursiven Überschreibungen der ANT Vorschub geleistet und diese zugleich zugunsten des Menschen korrigiert. Der Mensch merkt dann nicht mehr, dass er nur Datengeber ist in einem Environment, das sich für ihn schon nicht mehr interessiert. Die zweite überraschende Beobachtung zum Lab ist, dass es tatsächlich in der Arbeit zu einer Wiederkehr animistischer Denkfiguren und Praxen kommt. Diese Tradition wird, einmal von Georg Hobmeier aufgerufen, mit einem zeitgenössischen Animismus der entfesselten informationstechnischen Dinge gekoppelt. Die Welt der animierten Objekte und die objektgeschichtliche Zäsur wären so Effekt einer Wiederaufnahme der Wissensgeschichte des Animismus. Mit dieser eignet sich der Mensch Technik wieder und domestiziert das Gespenstische technischer Entwicklungen und Zäsuren mit animistischen Theorien und Praxen. Eine Re- Integration des Menschen ist also nur zum Preis eines Neo-Animismus zu haben, der ihn da endgültig einem nur noch technischen Sein ausliefert, wo Entitäten sowie Unterscheidungen qua Epistemologie abgeschafft sind. Neben dieser Rekonstruktion, die auf eine Affinität der Welt entfesselter Dinge zum Animismus verwies, war die Frage nach der Übersetzbarkeit von Medien ein wichtiges Thema. Bei der Vernetzung der Geräte und Medien wird im Lab allerdings eine andere Konstellation erkennbar als in der ANT vorgegeben. In ihrer Theorie wird nämlich im Gegensatz zu den Arbeiten der Künstler die Übersetzung, mithin was in den Black Boxes geschieht, nicht reflektiert. Auf diese Weise kann in der ANT Übersetzung von unterschiedlichen Entitäten immer gelingen. Im Lab aber war die Übersetzung der vernetzten Geräte wunderbare Möglichkeit der Kreation sowie des Aufscheinens von Emergenz und Störung von verlässlichen Abläufen in einem. Fehler schlichen sich z. B. bei der Generierung verschiedener Medien auf deren Oberflächen ein. Damit wurde im Lab klar, dass die Konvergenz zugleich da ein potenzielles Ende der Agency des Menschen bedeutet, wo er keinen Zugriff mehr auf die Verrechnungen hat und von faszinierenden Oberflächen gebannt ist. ANT könnte also ein Diskurs sein, der das „Ende des Menschen“ kompensiert, indem er es als mit Dingen geteilte Agentenschaft nobilitiert.

Ausblick: Von der ANT zum Embodiment

Die theoretischen Beiträge zum Cyberlab legen nahe, dass die ANT nur bedingt die aktuelle technische Lage beschreiben kann. Vielmehr zeigt ihre Genese, dass sie aus einer objektgeschichtlichen Zäsur stammt, mit der eine Krise des intentionalen Subjektes einhergeht. Es wird deutlich, dass die ANT Theoreme dieser Vor-Geschichten aufschreibt statt analysiert. Mit Blick auf die aktuelle sich verselbständigende technische Lage erscheint die ANT somit als deren integraler Bestandteil, der federführend an der diskursiven Überschreibung von Technik beteiligt ist. Somit würde in der ANT eine seit den 1950er Jahren währende Degradierung der Menschen zum Datengeber in der Gestalt von Aktanten überspielt und beschönigt.

Entscheidend für einen Ausblick der Studie ist nun, dass im Diskurs des Embodiment eine andere Zukunft des Menschen und der Dinge aufgerufen wird als eine Existenz in vernetzten Aktantensystemen. Es muss wohl von einem Paradigmenwechsel gesprochen werden, mit dem neue Denkfiguren, Diskurse und Horizonte zur Erfindung von Menschen, Technik und deren Beziehung entworfen werden.[34] Die sich abzeichnenden Modelle können in ihrer Radikalität mit Gedankengebäuden und Beschreibungen der ANT nicht mehr erfasst werden bzw. sie sind gänzlich anders gelagert als in der ANT. Es geht nämlich nicht um Aktantennetzwerke sondern um unbegrenzte Systeme, in denen sich die Grenzen von Spezies auflösen. Der übergreifende Topos der Steuerung und des affektiven, d. h. vor-sprachlichen und embodied In-Sein in technischen Welt tritt an ihre Stelle. Es sieht so aus, als würde sich das bisher bekannte Konstrukt Mensch verabschieden, ein Eindruck, der sich noch verdichtet vor dem Horizont der Biofaktizität[35]. Folgerichtig tritt in der Präsentation des Lab der menschliche Agent ab in Gestalt des Performers ab und die Maschinen werden in die eigene Autopoiesis entlassen.

Zugleich bleiben schließlich die im Lab entworfenen prekären Subjekte zurück, die sich grundlegend von den in der ANT erfundenen temporären Agenten sowie vom verkörperten Agenten verteilter Intelligenz in der Theorie des Embodiment unterscheiden. Denn im Gegensatz zu dem temporären Agenten ist bei den prekären Subjekten Unsicherheit auf Dauer gestellt. Während Erstere eine Entität erlangen können, bleibt Letzteren allein der ständige Zweifel. Damit wird jegliche Art der Orientierung zu einer S(t)imulation, zu einem wissenden, sich selbst täuschenden Ein- und Ausblenden der Un-/Möglichkeit von Subjektivität, Technik und Dingen. Es dürfte gut erkennbar sein, dass beginnend mit der objektgeschichtlichen Zäsur, über die ANT bis hin zum Embodiment die Grenzen der Spezies porös werden. Im Lab wird diesem Werden ein Subjekt entgegengestellt, das sich der Illusion seiner Existenz bewusst ist und bleibt. Denn „Mensch“ ist anderes als Technik und doch immer nur Teil ihres Imaginären. Zugleich beschreibt das prekäre Subjekt genau die Position, die die Welt des Digitalen und wohl auch des Biofaktischen noch offen lässt. Es geht um die Momente des Liminalen, der Übergänge und ungesicherten Phase, die noch nichts Genaues beherbergen. In diesen kommt es zu immer neuen Versuchen, sich im Moment der Leere, der Störung sowie der Übergänge wohl wissend um die Konstruiertheit auf wackeligen Füßen neu zu erfinden.


  1. Vgl. beispielhaft: Erich Hörl, „Die technologische Sinnverschiebung. Über die Metamorphose des Sinns und die große Transformation der Maschine“, in: Medien denken. Von der Bewegung des Begriffs zu bewegten Bildern, Hg. Lorenz Engell, Jiri Bystricky, Katerina Krtilova, Bielefeld 2010, Seite 17- 35, online unter: http://www.ruhr-uni- bochum.de/ifm/_downloads/hoerl/2010_Hoerl_Sinnverschiebung.pdf. Vgl. auch die Tagung „Offene Objekte“ im April 2010 am IKKM in Weimar, mit Videodokumentation der Beiträge: http://www.ikkm- weimar.de/forschung/offene_objekte/oostartde/prm/246/0/index.html, alle gesehen am 2.3.2011.
  2. Vgl. zur Fundierung der „offenen Dinge“ in der Kybernetik: Erich Hörl, Die offene Maschine. Heidegger, Günther und Simondon. Über die technologische Bedingung, 2008, unter: http://www.ruhr-uni- bochum.de/ifm/_downloads/hoerl/hoerl_2008_die_offene_maschine.pdf.
  3. Vgl. zur Kybernetik als Versuch, den Menschen neu zu deuten: Michael Hagner, Erich Hörl, „Überlegungen zur kybernetischen Transformation des Humanen“, in: Hg. Michael Hagner, Erich Hörl, Die kybernetische Transformation des Humanen. Beiträge zur Kulturgeschichte der Kybernetik, Frankfurt/Main 2008, S. 7-37, unter: http://www.ruhr-uni- bochum.de/ifm/_downloads/hoerl/hoerl_2008_human_vw_text2008.pdf, gesehen am 2.3.2011.
  4. Vgl. dazu den Lektürevorschlag „Entfesselte technische Dinge im Lichte einer objektgeschichtlichen Zäsur“ von Martina Leeker im gleichnamigen Kapitel zu Louis-Philippe Demers in dieser Publikation. Vgl. zu Embodied Robotern einführend einen Videobeitrag zur Arbeit von Rolf Pfeifer: Intelligenz des Körpers. Rolf Pfeifer will durch Roboter den Menschen verstehen, http://www.swissinfo.ch/ger/multimedia/video/Intelligenz_des_Koerpers.html?c id=941330, 17.11. 2008, gesehen am 24.2.2011.
  5. Vgl. einführend zu dieser Wende: Anne Bartsch, Jens Eder, Kathrin Fahlenbrach, „Einleitung: Emotionsdarstellung und Emotionsvermittlung durch audiovisuelle Medien“, in: Hg. Anne Bartsch, Jens Eder, Kathrin Fahlenbrach, Audiovisuelle Emotionen. Emotionsdarstellung und Emotionsvermittlung durch audiovisuelle Medienangebote, Köln 2007, online unter: http://halemverlag.lookingintomedia.com/info/downloads/leseprobe/97839382583 09_lese.pdf. Vgl. auch: Margrit Tröhler, Vinzenz Hediger, „Ohne Gefühl ist das Auge der Vernunft blind. Eine Einleitung“, in: Hg. Matthias Brütsch, Vinzenz Hediger, Alexandra Schneider, Margit Tröhler, Ursula von Keitz , Kinogefühle: Emotionalität und Film, Marburg 2005, online unter: http://ssl.einsnull.com/paymate/dbfiles/pdf/resource/38.pdf. Vgl. zu einer kritischen Revision: Marie-Luise Angerer, Affekt und Begehren oder: Was macht den Affekt so begehrlich?, in: e-Journal Philosophie der Psychologie 4, 2006, http://www.jp.philo.at/texte/AngererM1.pdf, alle gesehen am 24.2.2011.
  6. Marc B. Hansen, Framing the Digital-Image: Embodiment and the Aesthetics of New Media: Introduction, 2002, http://www.stanford.edu/dept/HPS/writingscience/Framing- Introduction2002.pdf, 2002, gesehen am 3.3.2011.
  7. Vgl. dazu den Vortrag in der Online-Publikation von Erich Hörl: Objektströme. Über die artefaktische Situation der Gegenwart. Erich Hörl beschreibt an anderer Stelle: „Das zwanzigste Jahrhundert ist die Zeit des Um- und Andersdenkens und das Jahrhundert der techno-logischen Transformation. Dabei wird nicht nur der Sinn des Technischen, sondern mit ihm auch der Sinn der Wissenschaft, des Politischen, des Sozialen und des Ästhetischen verschoben.“, Vortrag von Erich Hörl am 18.6.2008 im Laboratory for Experimental Computer Science at the Academy of Media Arts Cologne, unter: http://interface.khm.de/index.php/teaching/guest- lectures/die-technologische-sinnverschiebung/. Vgl. auch die Einführung von Erich Hörl zum Bochumer Kolloquium für Medienwissenschaft, Februar 2008: http://www.kolloquium-medienwissenschaft.de/?page_id=12. Vgl. auch den Vortrag bei den IKKM Lectures: Erich Hörl, Rationalitätsschicksale. Luhmann und die Faszinationsgeschichte nichttrivialer Maschinen, 11.02.09, http://www.podcast.de/episode/1224561/IKKM_Lectures_1%3A_Erich_H%C3%B6rl, alle gesehen am 3.3.2011. Vgl. schließlich: Kybernetik und Sinnverschiebung. Erich Hörl im art.mix-Gespräch mit Ania Mauruschat (25. 2. 2011), Bayern2, http://cdn-storage.br.de/mir- live/bw1XsLzS/bLQH/bLOliLioMXZhiKT1/MUJIuUOVBwQIb71S/iw11MXTPbXPS/_2rc_K1S/_ -JS/_-rH52vf/uLoXb69zbX06/110225_0000_Hoerspiel-und-Medienkunst_Kybernetik- und-Sinnverschiebung.mp3, gesehen am 21.3.2011.
  8. Vor diesem Hintergrund wäre die so genannte „Affäre Guttenberg“ als eine Bedrohung tradierter Formen des Wissens zu verstehen. Die Auflösung des Primats der genialischen, individuellen Forschungsleistung wurde mit der Umstellung der Universitäten auf Forschungspolitik, etwa Drittmittel- Cluster sowie der Modularisierung von Studiengängen eingeläutet. Wissen selbst wird zu einem Modul bzw. zu einer Assemblage von Fragmenten unter eine Generalthese. Was juristisch sowie wissensgeschichtlich als Plagiat erscheint, könnte auch als Ankunft einer assemblierten Form der Wissenschaft aufgefasst werden. Diese reiht Zitate und Denksätze aneinander, die frei zu Verfügung stehen und in ihrer Rekontextualisierung je neuen Sinn ergeben.
  9. Vgl. Erich Hörl, „Abendländische Rekursionen. Luhmann und die Faszinationsgeschichte der nichttrivialen Maschine“, in: Rekursionen: Von Faltungen des Wissens, Hg. Ana Ofak, Philipp von Hilgers, München 2010, Seite 47-70, als Vortrag unter: http://www.podcast.de/episode/1224561/IKKM_Lectures_1%3A_Erich_H%C3%B6rl, 2009, gesehen am 3.3.2011.
  10. Einführung von Erich Hörl zum Bochumer Kolloquium für Medienwissenschaft: http://www.kolloquium- medienwissenschaft.de/?page_id=12, Februar 2008, gesehen am 3.3.2011.
  11. Vgl. paradigmatisch die von Erich Hörl aufgeführten Arbeiten von Gotthard Günther, der eine nichttrivale Logik erfinden wollte: Erich Hörl, Die offene Maschine. Heidegger, Günther und Simondon. Über die technologische Bedingung, 2008, unter: http://www.ruhr-uni- bochum.de/ifm/_downloads/hoerl/hoerl_2008_die_offene_maschine.pdf, gesehen am 2.3.2011.
  12. Lorenz Engell, Bernhard Siegert, „Editorial“, in: Kulturtechnik, Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung – Heft 1/10, 2010, unter: http://ikkm- weimar.de/publikationen/zeitschrift/10_1_editorial/prm/268/ses_id__aa132122c af62eb0b372760cd9c21071/cs__11/index.html, gesehen am 3.3.2011.
  13. Vgl. zur These des kulturellen Aprioris der Medien: Friedrich Kittler, Grammophon Film Typewriter, Berlin, 1986 sowie ders.: Draculas Vermächtnis. Technische Schriften, Leipzig, 1993. Von einer technischen Spezifizität, die nicht in ein anderes Medium übersetzbar ist, auszugehen, heißt aber auch nicht, dass der Dominanz eines technischen Materialismus als kulturellem Apriori das Wort geredet wird und die sozialen oder diskursiven Einflussnahmen vernachlässigt würden. Es ist selbstverständlich die Einsicht zu Grunde zu legen, dass unterschiedliche Faktoren Medienkultur konfigurieren und Medien in einem System der wechselseitigen Beeinflussung entstehen und stehen. Unterschiedliche Faktoren sowie deren Wechselverhältnisse zu beachten heißt aber auch nicht, technische Materialität zu ignorieren.
  14. Vgl. dazu die Ansätze von Gilbert Simondon in: Erich Hörl, Die künstliche Intelligenz des Sinns. Sinngeschichte und Technologie im Anschluss an Jean-Luc Nancy, 2010, http://www.ruhr-uni- bochum.de/ifm/_downloads/hoerl/ZMK%202-2010%20Hoerl.pdf, sowie ders.: Die offene Maschine. Heidegger, Günther und Simondon. Über die technologische Bedingung, 2008, unter: http://www.ruhr-uni- bochum.de/ifm/_downloads/hoerl/hoerl_2008_die_offene_maschine.pdf, beide gesehen am 2.3.2011.
  15. Hg. Andréa Belliger, David J. Krieger, ANThology. Ein einführendes Handbuch zur Akteur-Netzwerk-Theorie, Bielefeld 2006 sowie Ingo Schulz- Schaeffer, Kapitel VIII. Akteur-Netzwerk-Theorie. Zur Koevolution von Gesellschaft, Natur und Technik, 2000, http://www.uni- due.de/imperia/md/content/soziologie/akteurnetzwerktheorie.pdf, S. 189 – 190, gesehen am 1.3.2011.
  16. Anmerkung der Autoren: Ingo Schulz-Schaeffer bezieht sich auf: Michel Callon, „Some Elements of a Sociology of Translation: Domestication of the Scallops and the Fishermen of Saint Brieuc Bay”, in: Hg. John Law Power, Action and Belief: a new Sociology of Knowledge? Sociological Review Monograph. London 1986, S. 196-233.
  17. Ingo Schulz-Schaeffer, Kapitel VIII. Akteur-Netzwerk-Theorie. Zur Koevolution von Gesellschaft, Natur und Technik, http://www.uni- due.de/imperia/md/content/soziologie/akteurnetzwerktheorie.pdf, 2000, S. 189 – 190, gesehen am 1.3.2011. Als Print: In: Johannes Weyer (Hg.): Soziale Netzwerke. Konzepte und Methoden der sozialwissenschaftlichen Netzwerkforschung. München. 2000.
  18. Vgl. Martina Leeker, „Interaction Computer Dance. Resonances”, in: Hg. Uwe Seifert, Jin Hyun Kim. Paradoxes of Interactivity. Perspectives for Media Theory, Human-Computer Interaction, and Artistic Investigations, Bielefeld 2008, S. 250 - 265.
  19. Vgl. zum Programm: http://processing.org/. Vgl. auch den Kongress zu Creative Coding von Jochen Koubek und Martina Leeker: http://creativecoding.uni-bayreuth.de/kolloquium-2010/, beide gesehen am 5.3.2011. Hans-Christian von Herrmann referiert in seinem Beitrag zur Online-Publikation über die kulturellen und epistemologischen Auswirkungen des generativen Programmierens in seinem Beitrag: Künstliche Kunst. Digitale Ästhetik 1960/2010
  20. Vgl. Hans-Christian von Herrmanns Vortrag: Künstliche Kunst. Digitale Ästhetik 1960/2010.
  21. Vgl. zu diesem Theorem: Marshall McLuhan, Understanding Media: The Extensions of Man, New York, 1964 (dt. Ausgabe: Die magischen Kanäle. ‚Understanding Media‘, Düsseldorf 1992).
  22. Link zum Kap.
  23. Vgl. zum Zusammenspiel von Wissen und Medium sowie zum „Ranking“: Wolfgang Hagen, Medienvergessenheit. Über Gedächtnis und Erinnerung in massenmedia, orientierten Netzwerken, 2010, unter: http://www.whagen.de/publications/2010/medienvergessen/MedienVergessen_Ult.p df?page=http://www.abmt.unibas.ch/~hagen/seminare/2009/StGallGeschMedi/main. php, sowie den Vortrag von Wolfgang Hagen: Medienvergessenheit. Über Gedächtnis und Erinnerung in der Computernetz-Gesellschaft, 2010, unter: http://creativecoding.uni-bayreuth.de/kolloquium-2010/vortrag/ oder: http://creativecoding.uni- bayreuth.de/assets/Uploads/vortrag/wolfganghagen.mov, alle gesehen am 7.3.2011.
  24. Vgl. dazu auch ein Video der Bemühungen um Creative Commons: Die Philosophie im englischsprachigen Video „Wanna work together?“ lautet: „share, reuse, remix“, 2006, unter: http://creativecommons.org/videos/wanna- work-together. Damit wird auch ein Schlaglicht auf die Veränderung von Wissen im Gebrauch des Internets geworfen, gesehen am 8.3.2011.
  25. „Open Content“ unterscheidet sich vom „Open Access“ dadurch, dass nicht nur Material zur Verfügung gestellt wird, sondern auch geistige Arbeit mit diesem. Zur Frage des open access vgl.: Forschungsinfrastrukturen für die Geistes- und Sozialwissenschaften stärken, Pressemitteilung des Wissenschaftsrates, Nummer 03 vom 31. Januar 2011, http://www.wissenschaftsrat.de/index.php?id=345&L= sowie: http://open- access.net/de/startseite/. Zum Schutz kreativer Leistungen siehe die Bewegung „Creative Commons“: http://de.creativecommons.org/, http://de.creativecommons.org/was-ist-cc/. http://revver.com/video/89072/wanna-work-together/. Alle URLs gesehen am 8.3.2011.
  26. Vgl. dazu exemplarisch die Site zu Creative Coding: http://creativecoding.uni-bayreuth.de/, gesehen am 7.3.2011.
  27. Vgl. auch: http://creativecoding.uni-bayreuth.de/, zum ersten Kongress 2010: http://creativecoding.uni-bayreuth.de/kolloquium-2010/, beide gesehen am 7.3.2011.
  28. Aufsatz Martina Leeker. Creative Coding .xxx
  29. Vgl. auch die Überlegungen von Andreas Reckwitz zum post- avantgardistischen und post-bürgerlichen Subjekt der Hochmoderne unter dem Motto: „Deleuze goes capitalisme“. Das heißt, Transgressionen, ständige Sinnverschiebung, Kreativität sowie Steuerungen sind längst zu Teilen einer hegemonialen Kontur des zeitgenössischen Subjektes geworden. Andreas Reckwitz, Die Gleichförmigkeit und die Bewegtheit des Subjekts: Moderne Subjektivität im Konflikt von bürgerlicher und avantgardistischer Codierung, 2004, unter: http://www.kuwi.europa- uni.de/de/lehrstuhl/vs/kulsoz/professurinhaber/buecher_artikel/reckwitz_2004 b_.pdf. Weitere Links zu Texten: http://www.kuwi.europa- uni.de/de/lehrstuhl/vs/kulsoz/professurinhaber/buecher_artikel/index.html, beide gesehen am 7.3.2011.
  30. Vgl. zum Modell vom Menschen als Agenten einführend: Hg. Lorenz Engell, Bernhard Siegert, Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung, Schwerpunkt Kulturtechnik, Heft 1, 2010, Hamburg 2010. Hier werden Kulturtechniken, Artefakte, Dinge, Medien und Menschen als gleichberechtigte Agenten in Operationsketten gesetzt, die zugleich in Kultur eingebunden sind und diese konstituieren.
  31. Das heißt, es geht darum, wie erstens im Theater technische Medien entworfen und genutzt werden. Zweitens kommen dabei theatrale Praxen wie Illusionierung oder Performativierung zur Anwendung.
  32. Vgl. einführend die Site: http://creativecoding.uni-bayreuth.de/, zum ersten Kongress 2010: http://creativecoding.uni-bayreuth.de/kolloquium- 2010/, beide gesehen am 7.3.2011.
  33. Vgl. hierzu den Vortrag von Alexander Firyn in der Online-Publikation: Software als Service – Kunst als Service.
  34. Vgl. dazu auch: Michael Hagner, Erich Hörl, Die Transformation des Humanen. Beiträge zur Kulturgeschichte der Kybernetik, Frankfurt am Main 2008. Vgl. zur kritischen Auseinandersetzung mit einer somatischen oder emotionalen Wende: Marie-Luise Angerer, Affekt und Begehren oder: Was macht den Affekt so begehrlich?, in: e-Journal Philosophie der Psychologie 4, 2006, http://www.jp.philo.at/texte/AngererM1.pdf, gesehen am 24.2.2011.
  35. Vgl. grundlegend: Nicole C. Karafyllis, Biofakte – Die technikphilosophischen Probleme der lebenden Artefakte für die fragile Anthropologie des Menschen, 2004, http://www.itas.fzk.de/v/nta1/abstr/kara04a.htm, gesehen am 27.2.2011.