Beiträge:

  1. Martina Leeker:
    Entfesselte technische Objekte
  2. Louis-Philippe Demers:
    Machine Performers

Martina Leeker:
ENTFESSELTE TECHNISCHE OBJEKTE IM LICHTE EINER OBJEKTGESCHICHTLICHEN ZÄSUR.

Kapitel

  1. Überblick. Performing Robots – KI - Entfesselte Objekte
  2. Louis-Philippe Demers I. Geschichte der Anthropomorphisierung von Automaten
  3. Louis-Philippe Demers II. Vom Anthropomorphismus zur Embodied and Situated Intelligence
  4. Louis-Philippe Demers III. Von der Performance zur Emergenz der Performanz
  5. Animistische Einwürfe bei der Betrachtung der Roboter
  6. Roboter aus der objektgeschichtlichen Zäsur betrachtet (Erich Hörl)
  7. Kognitionswissenschaft und ANT. Der Körper des Agenten

Überblick. Performing Robots – KI - Entfesselte Objekte

In diesem Kapitel geht es um die künstlerische Arbeit von Louis-Philippe Demers[1]. Er arbeitet unter anderem mit Robotern, die er in performanceartige Situationen bringt. Dabei verunsichert er tradierte Zuschreibungen wie „intentionale Subjekte“ oder „leblose Dinge“, da Maschinen den Menschen ähnlich anscheinend performen und ihn dabei seiner Rolle als Subjekt der Betrachtung entheben. So geschieht es z. B. in der Installation L’Assemblée[2] (2000), in der 48 Roboter in einem an ein Amphitheater gemahnendes Setting auf Zuschauerrängen angebracht sind, während sich der „letzte Mensch“, so Demers, auf der Bühne einfindet. Die Roboter werden hier an die Stelle des Zuschauers gesetzt und nehmen ihn vermeintlich ins Visier. Diese Inszenierung ist exemplarisch für Demers Anliegen, die Lust des Betrachters an Anthropomorphisierungen zu problematisieren. Sie werden als Affekt herausgestellt, mit dem Mensch sich der Maschine bemächtigt, indem er sie als etwas ihm Ähnliches begreift und damit zugleich seine Definitions- und Handlungsmacht verliert, da er sich Technik angleicht. Im Fokus der Arbeit von Louis-Philippe Demers steht mithin eine Auseinandersetzung mit der diskursiven und imaginären Bezugnahme auf technische Objekte. Bezogen auf die ANT wäre aus dieser kritischen Sicht auf Anthropomorphisierung zu fragen, ob die ANT da, wo sie Dingen und technischen Objekten eine nicht-anthropomorphe Agency zuschreibt, gleichwohl eine modifizierte Weise der Vermenschlichung betreibt.

Diese performenden Roboter sowie vor allem die jüngste Robotergeneration, die Demers seit 2009 in Gestalt der Tiller Girls[3] einsetzt, werden allerdings auf eine andere Weise besonders interessant für die Auseinandersetzung mit der ANT. In ihrem Dunstkreis könnten die den Menschen beobachtenden Roboter in L’Assemblée zwar auch als Nachweis der Handlungsmacht technischer Objekte sowie der Verbindung beider zu einem Netzwerk von Aktanten erscheinen. In dieser Lesart könnte das Schauen der Maschinen als Metapher für die Konstitution von „Mensch“ und „Technik“ in der wechselseitigen Übersetzung der Agenten angesehen werden. Diese Sicht auf die Installation wäre dann vor allem ein Hinweis auf die Historizität von Wahrnehmung und Sinngebung. Denn während bisher die Lesart der Vermenschlichung dominierte, würden nun Agentenschaft und Vernetzung Ersterer den Rang ablaufen. Wie man etwas sieht, ist also auch abhängig von dem diskursiven Umfeld, in dem etwas stattfindet und aufgenommen wird. Vor allem mit den Tiller Girls wird es allerdings zweifelhaft, ob die Manifestationen der Roboter überhaupt mit Denkfiguren und Begriffen der ANT angemessen beschrieben werden können. Denn die Tiller Girls kommen aus der New Artificial Intelligence[4], mit der Konzepte der ANT deutlich überschreiten und radikalisiert werden. Dies erklärt sich aus Theorie und Praxis des Embodiment. Im Gegensatz zur tradierten Idee der Künstlichen Intelligenz (KI), nach der sich Intelligenz in der formalen Manipulation von Symbolen konstituiert, wird im Embodiment davon ausgegangen, dass sie ohne den Körper und dessen Sein in einer Umwelt gar nicht denkbar ist. Mit einem anderen Körper entstünde eine andere Intelligenz.[5] Damit verändern sich Vorstellungen von Maschine und Menschen, da im Topos der physischen Materialität von Intelligenz die herausragende Rolle des Menschen als vor allem denkendes und mit Bewusstsein ausgestattetes Wesen unterminiert wird. Was auf den ersten Blick als Anerkennung der Komplexität von Sein und Denken sowie als Überwindung der cartesianischen Trennung von Körper und Geist erscheint, entpuppt sich allerdings auf den Zweiten als Abschaffung von Entitäten in einem So-Sein experimenteller Optimierung. Dadurch unterscheidet sich die Neue KI des Embodiment von den Vorstellungen Latours zu Agenten und Netzwerken. Während die ANT nämlich noch Entitäten voraussetzte, lösen sich diese im Embodiment da auf, wo nur noch variable Körper-Umwelt-Systeme existieren. Was die ANT vergleichsweise abstrakt behauptete, nämlich die die Vernetztheit unterschiedlichster Agenten, mit der sie erst entstehen, setzen zeitgenössische Kognitionswissenschaft und Robotik materialiter um. Denn sie konstruieren und züchten Agenten, indem experimentell Körper in Umwelten erprobt werden. Wenn der Mensch nun diese Demers’schen Roboter betrachtet, sieht er fremden Agenten bei ihrer Organisation in Körper und Umwelt zu und lernt exemplarisch an ihnen etwas über Intelligenz und Spezies sowie über die Fragilität von Identität und So- Sein im Status der beständigen Transformierbarkeit. Die künstlerische Auseinandersetzung mit Robotern deckt also die Genese der ANT aus der Kognitionswissenschaft und der KI-Forschung auf, wobei Letztere zugleich weit über die ANT hinausgehen, indem sie ihr gleichsam ihren materialistischen Horizont vorhalten. Das Ende des Anthropomorphisierens in diesen Performances entspricht dem Ende des Anthropologischen in künstlicher Intelligenz. Es wird sich zudem zeigen, dass mit den performenden Robotern eine Theorie und Praxis von Performance und Performativität aufkommen, die an die Stelle von intentionalem Handeln und von Inszenierung den selbstbezüglichen Vorgang einer Autostimulation für künstliche Evolution und Intelligenz setzen. Roboter tanzen den Abschied von Subjektivität und fixen Bedeutungszuschreibungen und überführen sie zu einem ständig werdenden In-der-Welt-Sein. Theater und Performance werden mit den embodied Robotern zu einem Schwellenraum, in dem die Trennung von Innen und Außen sowie die von Zeichen und Bedeutung aufgehoben sind. Auf diese Weise werden Performances zu einem Ritual der blanken Präsenz.

Dem Kapitel ist der Beitrag von Erich Hörl zur objektgeschichtlichen Zäsur beigefügt. Mit ihm werden Robotik und ANT als Teil einer Geschichte der Entfesselung technischer Objekte und der mit ihr verbundenen Krise des intentionalen Subjektes sowie einer technischen Sinnverschiebung neu lesbar. Die embodied Roboter sowie die mit der Kognitionswissenschaft verfolgten Forschungen zu einer verteilten und verkörperten Intelligenz entsprechen in dieser Perspektive nicht mehr Paradigmen einer bloßen Vernetzung. Sie sind vielmehr Operationen eines unhintergehbaren technisch- ökologischen In-der-Welt-Seins, das Hörl in seinem Beitrag entfaltet. Schließlich erhärtet sich die von Erich Hörl eingebrachte These, dass die objektgeschichtliche Zäsur und Krise weniger eine Beschreibung der durch entfesselte technische Objekte ausgelösten Lage als vielmehr eine Reaktion auf diese sei, an den performenden Robotern. In dieser Perspektivierung zeigen die Selbstbeschreibung der von der Zäsur betroffenen Kultur sowie ihre technischen Dinge und Technikgeschichte(n) nämlich neo-animistische Züge. Die Theorie der Agency erscheint nun als Option, das Gespenstische von Technik zu bannen.

Louis-Philippe Demers I. Geschichte der Anthropomorphisierung von Automaten

Louis-Philippe Demers Präsentation beim Symposium des Cyberlab, in der er das Zusammenspiel von Anthropomorphisierung und Bewegung ausführte, lässt sich als eine Rekonstruktion der Technikgeschichte(n) des Menschen im Hinblick auf ihr Ende im Embodiment lesen. Denn Analogisierungen von Mensch und Technik[6] sowie die Faszination vermeintlich lebendiger und intelligenter Automaten[7], die noch Bestimmungen von „Menschen“ oder „Technik“ vorausgesetzten bzw. intendierten, würden in der Neuen KI von Strukturen und Evolutionen künstlicher Intelligenzen abgelöst. Dass und wie sich diese Geschichte an der Materialität von Körper und Bewegung erzählen lässt, wird nun nachzuvollziehen sein.

Die Erzählung beginnt mit einem Rückblick auf die Bedingungen der Anthropomorphisierung von technischen Objekten. Denn will man Roboter nutzen, die eine Auseinandersetzung mit Anthropologischem und Anthropomorphisierung ermöglichen, seien die Kriterien zu recherchieren, die dies erleichtern oder gar erzwingen. Geeignet für die kritische Reflexion von Anthropomorphisierungen seien Performances von Robotern. Dafür gälte es zunächst zu klären, unter welchen Bedingungen Robotern eine performative Qualität zugeschrieben wird. Ausschlagend dafür sei, so Demers, die Bewegung der Maschine. Als „menschlich“ und damit als belebt erscheine sie allerdings erst, wenn der Betrachter den automatischen Bewegungen Intentionen unterstelle. Als Beispiel für diesen Vorgang führt Demers die Bewegungen eines Industrieroboters an, der einem überdimensionierten Greifwerkzeug gleicht und auf den ersten Blick wenig mit menschlichen Bewegungen gemein hat. Eine Analogie zum Menschlichen stelle sich bei diesem Automaten aber schließlich dadurch her, dass die Geräusche seiner Bewegungen eine bekannte Melodie wiedergeben. Neben der phänomenologischen Ebene interessiert sich Demers für die wahrnehmungstheoretischen Grundlagen der Anthropomorphisierung. Demnach beruhe die Zuordnung, was „Mensch“ und was „Maschine“ seien, einerseits durchaus auf angeborenen Fähigkeiten, z. B. der Mustererkennung der spezifischen Bewegungsweise der menschlichen Spezies. Andererseits wären diese Zuordnungen immer auch kulturell und technisch bedingt. Somit wäre der Automat als solcher gar nicht zugänglich, sondern immer nur seine Inszenierung. Die Agency der Objekte findet nur dann statt, wenn der Mensch etwas dazu tut. Schließlich bringt Demers eine medienpsychologische Bedingung der Anthropomorphisierung ins Spiel. Entscheidend für sie sei nämlich, wie ähnlich der Roboter Menschlichem sei. In diesem Zusammenhang beschrieb der Robotik-Ingenieur Masahiro Mori[8] unter dem Begriff Uncanny Valley[9] in den 1970er Jahren das Phänomen, dass Roboter dem Menschen umso unheimlicher werden, sie je mehr sie ihm ähnlich sind. Vor allem wenn sie bei großer Ähnlichkeit von der Norm abweichende Verhaltenweisen annähmen, würden sie Unbehagen auslösen und die Bereitschaft zur Identifikation und Interaktion mit ihnen sinke erheblich.

An den Performances mit und von Robotern entziffert Demers mithin die Technik-Geschichte(n) des Menschen. Mit dieser erfindet und kontrolliert er Technik und erzeugt sich zugleich selbst in den Inszenierungen der technischen Objekte und seiner Bezugnahmen auf diese.

Louis-Philippe Demers II. Vom Anthropomorphismus zur Embodied and Situated Intelligence

Eine Zäsur in dieser Geschichte und Haltung markiert Demers mit seinen jüngsten Arbeiten mit den Robotern Tiller Girls. Dies wird verständlich, wenn deren Herkunft und Epistemologie entfaltet werden. Die Roboter entstammen der so genannten New Artificial Intelligence[10], mit der an die Stelle der Anthropomorphisierung eine Sicht auf Mensch und Technik als künstliche Intelligenz und Physis rückt. Es geht um eine verkörperte Existenz immer nur künstlicher, durch Embodiment und Situiertheit in der Umwelt gleichsam gebastelter Intelligenz, womit Existenz etwas Zufälliges erhält und zu selbstbezüglicher Emergenz tendiert.

Die von Demers so bezeichneten Tiller Girls wurden unter dem Namen Stumpy[11] von Raja Dravid[12] (2003) am AI Lab-Zürich[13] von Rolf Pfeifer[14] entwickelt. Sie gehören zur so genannten Klasse der Hüpf- Roboter.

„Stumpy ist ein Hüpf-Roboter: Er besteht aus einem einfachen Gestell mit zwei Gelenken - versetzt man diese in Schwingung beginnt sich die Konstruktion zu bewegen. Es entsteht eine dem Gehen nachempfundene Bewegung. Trotz seiner einfachen Konstruktion ahmt der Roboter ein biologisches Prinzip nach.“[15]

Wie sie diese Konstruktion funktioniert, zeigt eine Beschreibung des Züricher Instituts:

“Stumpy uses inversed pendulum dynamics to induce bipedal hopping gaits. Its mechanical structure consists of a rigid inverted T-shape mounted on four compliant feet. An upright ‘T’ structure is connected to this by a rotary joint. The horizontal beam of the upright ‘T’ is connected to the vertical beam by a second rotary joint. Using this two degrees of freedom mechanical structure, with a simple oscillatory control, the robot is able to perform many different behavior controls for the purpose of locomotion including the gait controls of hopping, walking and running.”[16]

Die Stumpy-Roboter sind also nicht mehr von einem zentralen Ort aus gesteuert, sondern vielmehr autonom, da sie sich mit Hilfe der Möglichkeiten ihrer physischen und physikalischen Materialität selbst organisiert bewegen können. Sie sind damit paradigmatisch für die neue KI, in deren Fokus Körper und Bewegung stehen. Denn im Gegensatz zum kognitivistischen Paradigma[17], nach dem Intelligenz bei Mensch und Maschine aus Operationen mit mentalen Repräsentationen entstand, konstituiert sie sich nach dem Konzept der „New Artificial Intelligence“ aus Embodiment und Situatedness. Pfeifer erläutert am Beispiel eines an Insekten inspirierten Roboters:

„Zum einen ändert sich die Kraft auf allen anderen Beinen, wenn das Insekt ein Bein vom Boden abhebt. Also brauche ich lediglich noch Kraftsensoren in den Beinen, die diese Veränderung messen und ich habe globale Kommunikation der Beine untereinander, aber nicht über das neuronale System, sondern über die Interaktion mit der Umwelt. …. Der Witz ist: Die Beine kommunizieren global miteinander, aber eben nicht über neuronale Verbindungen, sondern über die Umwelt!“ [18]

Die Morphologie, d. h. Material, Gestalt, Struktur und Bewegungslogik, und nicht etwa Software, die Programmierung der Roboter, ermöglichen Intelligenz. Man reduziert die Konstruktion folgerichtig auf möglichst analoge Bauweise, so Pfeifer:

„Das Muskel-Sehnen-System hat Eigenschaften wie eine aufgezogene Feder, wenn sie den Arm bewusst nach außen drehen und sie lassen dann los, dann dreht der Arm sich automatisch wieder in die natürliche Position zurück. Und zwar nicht, weil ich das vom Hirn aus steuere, sondern aufgrund der Materialeigenschaften des Muskel-Sehnen-Systems. Dieses System übernimmt für mich eine dezentrale Steuerungsfunktion. Unter Berücksichtigung der Materialeigenschaften wird ein Problem, welches auf den ersten Blick enorm kompliziert aussah, plötzlich ganz einfach.“[19]

Die Tragweite der Theorie der verkörperten Intelligenz zeigt sich an der mit ihr verbundenen Unterminierung tradierter Theorien von Geist und Bewusstsein, die sich an Pfeifers Ausführungen zum Denken ablesen lässt:

„Ob man etwas als Denken oder Intelligenz bezeichnen soll, ist keine besonders interessante Frage, da man immer Argumente dafür und dagegen angeben kann. Die viel produktivere Frage ist: Warum funktioniert etwas? Wenn wir ein Verhalten beobachten, das mich interessiert, zum Beispiel das Erkennen eines Gesichtes in einer Menschenmenge oder – z.B. für eine Ameise — den Weg zurück zum Nest zu finden, dann versuchen wir zu verstehen, wie und warum das im individuellen Fall funktioniert.“[20]

An die Stelle der Hierarchie von Denken und Handeln tritt das Konzept operational geschlossener Systeme. Denn das System funktioniert der Theorie nach auf Grund von Sensorstimulationen, einer Selbsterregung der Agenten, mit der sie sich auf der Grundlage ihrer sensorischen Konstitution für die Umwelt fit machen. Auf Grund dieser senso-motorischen Koordination können sie sich ohne mentale Repräsentationen, gleichsam nur mit Hilfe senso- motorischer Erinnerungen verhalten. Pfeifer erläutert dies am Beispiel der Bewegungen, die nötig sind, um eine zielgerichtete Handlung zu vollführen:

„Eben durch die verkörperte Interaktion mit der Umwelt, welche die Sensordaten gewissermaßen vortransformiert und damit das Problem um Größenordnungen vereinfacht. Ich bringe das Objekt in das visuelle Feld, erzeuge multimodale Sensorstimulation und diese Stimulation ist korreliert. Mit der Zeit, das heißt der Übung dieser Bewegung, wird aus der extrahierten Information aus einem Sensorkanal ein partieller Prädiktor für die Sensorinformationen, die ich aus anderen Kanälen extrahiere.“[21]

Es wird deutlich, dass mit Pfeifers Robotern und deren Dasein ohne zentrale Verrechnungseinheit das Bild von Mensch und Maschine als informationsverarbeitende Systeme obsolet werden. Diese Vorstellung hatte die Kybernetik entworfen, die besagt, dass sich Systeme über Feedback und Re-Entry, die Wiedereinführung von Ergebnissen in die Operationen des geschlossenen Systems, selbst organisieren.[22] Die „Neue KI“ geht allerdings da über die Kybernetik hinaus, wo nicht mehr Menschen mit Maschinen gleichgesetzt, sondern vielmehr Beide als Verkörperung und Interaktion mit der Umwelt neu definiert werden. Erst durch diese ist ein Etwas auch etwas Bestimmtes. Es kommt durch die emphatische Entfesselung der Objekte in ihrer Körperlichkeit zu einer Deplatzierung des Menschen wie der technischen Objekte. Sie sind nicht mehr identifizierbare Entitäten, sondern organisieren sich vielmehr als verteilte physikalisierte Existenz, in der sie sich und andere Agenten als Sensorstimulation nutzen. Das Anthropologische hört auf, ist gar nicht mehr denkbar, denn es existiert nicht mehr als solches, sondern nur als ein Agent-als-Körper-in-Umwelt- System.

Dieser paradigmatische Wandel wird auch daran deutlich, dass Ziel dieser Forschung nicht eine Abbildung von Natur ist. Vielmehr geht es um Experimente im Materiellen zur Optimierung von künstlicher, gebastelter Intelligenz, so Pfeiffer:

Die spezifische Morphologie ist anders, aber das Prinzip der sensormotorischen Koordination gilt genau so. Und das auch mit unterschiedlichen Sensoren, sogar welchen, die in der Natur nicht existieren. Das ist dann Artificial Intelligence.[23]

Damit wird der Körper wandelbar, denn hätte „es“ einen anderen Körper oder eine andere Umwelt, wäre es etwas Anderes. Damit mutieren auch Kognition und Bewusstsein zur Selbstorganisation der Sensomotorik, oder mit Pfeifer: „Es fällt uns schwer zu akzeptieren, dass sich viele Strukturen selber ergeben und nicht das Resultat unseres analytischen Denkens sind.“[24] Noch pointierter fasst Pfeifer im Kontext des an seinem Institut gepflegten cheap design zusammen, mit dem man sich der Nutzung einfachster Materialien mit größt möglicher Effizienz verschreibt: „Auch der Mensch ist eine Billigkonstruktion.“[25] Die Zielgerade dieser Forschung zeichnet sich nun ab. Während die Wissenschaften der Künstlichen Intelligenz in ihren kognitivistischen Ausprägungen nur auf symbolischer Ebene, der Informationsverarbeitung in mentalen Repräsentationen, operierten, schickt sich die New AI an, direkt an Körper und Umwelt zu manipulieren und neue, bessere, eben künstliche Intelligenzen zu erschaffen. Die epistemische Botschaft dieser Robotik ist die von einem künstlichen So-Sein ohne fixe Identität, die auf den Menschen zurückschlägt und ihn als durch die Ermächtigung über den Körper und die Trennung von Umwelt gewordenes Subjekt aufhebt. Es kommt zu einer Ontologisierung einer technischen Existenz.

Was bedeutet diese technische Sinnverschiebung für das Zusammenspiel von Bewusstsein und Sinngebung, das Mensch und Technik bisher voneinander unterscheiden sollte? Bleibt die Idee einer Überlegenheit des menschlichen Bewusstseins bestehen, wenn die Maschine sich bewegt, ohne zu verstehen, was sie tut. Diese tradierte Unterscheidung erübrigt sich dadurch, dass Stellewert von Bewusstsein und Bedeutung re-definiert werden. Sie werden schlicht zu einem Problem des Beobachters, denn Pfeifer führt aus:

„Für den Betrachter ist es zum Beispiel offensichtlich, dass Puppy rennt, trabt oder geht, wenn er sich fortbewegt. Aus der Binnenperspektive des Roboters aber geschieht etwas ganz anderes: Er ‚weiss’ nur, dass er die Pfoten hebt und senkt. In der Regel werden Maschinen so konzipiert, dass sie zur Beobachterperspektive des Benutzers passen. Computer füttern wir in der Regel mit Symbolketten, die nur wir verstehen, und er spuckt uns wieder Symbolketten aus, die ebenfalls nur wir verstehen.“[26]

Und an anderer Stelle wird klar, dass Bewusstsein nicht nötig ist für erfolgreiches Verhalten.

„Für uns ist die Einsicht wichtig, dass rationales Denken und rationales Verhalten nicht dasselbe sind. Auch in der AI-Forschung machte man lange Zeit dieselben Fehler und meinte, rationales Verhalten müssen auf rationales Denken zurückgeführt werden. Das zeigt ein Blick auf das Verhalten der Ameisen: Sie verhält sich zweckdienlich und optimiert den kürzesten Weg zur Futterquelle. Aber sie macht das nicht analytisch-deduktiv. Sie benutzt Pheromonspuren, die mit der Zeit verdunsten. Dann findet ein Prozess der Selbstorganisation statt. Der Beobachter stellt dann fest, die Ameise hat den optimalen Weg gefunden, aber sie hat kein Bewusstsein davon.“[27]

Damit, so Pfeifer, kommt eine „neue Antwort für große Fragen: Was ist Sprache? Wie kommt der Mensch dazu, dass er die Bedeutung von Worten verstehen kann? Was ist überhaupt Bedeutung?“[28]

An die Stelle der anthropomorphen Imitationen tritt mithin die Erfindung von sich selbst organisierenden, künstlichen Systemen, denn „Natur“ ist im Kontext von Embodiment obsolet, da sie ob der Wandelbarkeit des Körpers schon immer eine künstliche ist. Wenn der Körper bestimmt, was Wirklichkeit ist, dann ändert sich diese mit dessen Morphologie. Also nur konsequent, wenn Pfeifer in einem Interview für die „Herausnahme“ des Menschen plädiert:

„Wenn ein Roboter aber autonom auf seine Umwelt reagieren soll, dann muss er selber ein Verständnis dessen haben, was er tut. ‚Deshalb’, sagt Pfeifer, ‚müssen wir den Menschen aus dem Interpretationszirkel herausnehmen, wenn wir wollen, dass Maschinen ein richtiges Weltverständnis entwickeln. Das System muss gezwungen werden, selber in ein Verhältnis zur Welt zu treten.’ Und das kann es nur über den eigenen Körper. Weg von riesigen Rechenmaschinen, hin zu möglichst zweckmäßigen, lernfähigen, autonomen Geräten, die sich dieselben Prinzipien zunutze machen wie die natürliche Evolution: So lauten die Designprinzipien der Embodiment-Theorie.“ [29]

Bewegung steht mithin im Vergleich zur Tradition der Anthropomorphisierung in modifizierter Weise im Zentrum der Technikgeschichte(n) des Menschen. Wo sie einst Hinweis auf das Menschliche war, ist sie nunmehr Ausdruck einer systemischen Organisiertheit und Funktionalität. Mensch und Technik werden zu unvorhersehbaren Prozessen im Kontext einer verkörperten und situierten und damit immer nur wandelbaren und unbewussten Existenz. Es geht gar nicht mehr darum, Mensch und Maschine ähnlich zu machen, im Gegenteil, es geht um eine Art der spezies-unabhängigen, künstlichen Optimierung von Existenz als In-der-Welt-Sein.

Louis-Philippe Demers III. Von der Performance zu Emergenz der Performanz

Mit diesen Robotern werden andere Performances möglich und nötig. Demers lässt die Automaten unter dem Namen Tiller Girls auf der Bühne ihre selbst organisierten Bewegungen ausführen, die nicht mehr zwingend an etwas Menschliches erinnern. Er koppelt die Maschinen an Ton- und Lichtsysteme, so dass sie diese steuern, d.h. einen „eigenen“ Ton erzeugen und sich selbst zufällig beleuchten. Zudem werden die Automaten von Scheinwerfern und Ton gesteuert. Es entsteht ein autonomes Performance-System, dessen Objekte sind nicht mehr anthropomorph zu entziffern sind. Sie bleiben fremde, un-menschliche Dinge. Man betrachtet fremde Agenten bei ihrer Organisation mit Körpern in einer Umwelt. Was heißt dies für den Performancebegriff sowie für Performativität, die bisher auch bei aller Labilität an die Intentionalität des menschlichen Performers gebunden waren?

Performance wird mit den Tiller Girls und dem von ihnen eingespielten epistemologischen Kontext zu einer Fähigkeit, die sich vom Menschen löst und allen Agenten eignet. Bei dieser Übertragung handelt es sich weder um eine Anthropomorphisierung noch um eine technisch in-korrekte Analogisierung, die die von Wolfgang Ernst zu Recht vorgenommene Unterscheidung von operativem, dem Technischen zugeordneten Code und performativen, auf das menschliche, intentionale Subjekt bezogenen Vorgängen übersähe[30]. Es geht vielmehr um eine Zäsur, die mit der Neuen KI virulent wird. Mit der Konstitution der embodied Roboter und durch den sie umgebenden Diskurs tritt nämlich an die Stelle von Performance die Performanz physischer Materialität. Es geht in den „Performances“ der Roboter im Duktus der neuen KI mithin um das Ende der Performance, der Inszenierung, der Aufführung. An ihre Stelle treten die Demonstration, die Beschreibung, die Präsentation, mithin das blanke So-Sein, die sich als Bedeutung in sich genügen. Statt einer Entfesselung der Semiosis kommt es zu zum Gouttieren einer entfesselten Funktionslogik der Übersetzungen sowie der Selbstorganisation. Dieser Übergang bedingt eine Modifikation in der Konzeptualisierung von Performativität und Operativität.[31] Im Konzept des Embodiment sind weder die algorithmische, d. h. die determinierte Operativität noch Performativität und ihre semiotischen Prozesse vorgesehen. Sie werden abgelöst von aus der Physikalität des Systems entstehender Emergenz. Emergenz entspricht der Ästhetik der zeitgenössischen Performance von Performanz. Dies wird deutlich in einem Interview mit Rolf Pfeifer bzw. in einem Bericht zu seiner Arbeit:

„Emergentes Verhalten stellt sich überraschend ein und lässt sich schlecht planen. Das macht das Design intelligenter Roboter so schwierig. ‚Der Verstand kann dabei auch hinderlich sein, weil er oft nur auf Lösungen kommt, die er schon kennt’, sagt Pfeifer. Darum versuchen die Robotiker, die Evolution zu imitieren, wenn sie ihre künstlichen Kreaturen schaffen: Sie spielen herum, lassen Raum für Zufälle und schauen, was sich bewährt. Evolution lässt sich auch auf dem Computer simulieren. Dabei wird ein künstliches Wesen mit Rahmenbedingungen, Entwicklungsregeln und überlebensgünstigen Eigenschaften definiert. Sekunden später erfährt man dann, wie das Wesen tausend Generationen später aussieht - und staunt manchmal. … Gute Roboter sind schnell, billig und außer Kontrolle, heißt es am MIT.“[32]

Die Message dieser Performances zeigt sich an Pfeifers Interesse für die Evolutionstheorie von Richard Dawkins, mit der Ersterer eine Entwicklungsgeschichte der embodied Intelligenz beschreibt und untermauert. Es geht Dawkins im „Blinden Uhrmacher“[33] um eine Evolution, in der Entwicklung nicht gemäß eines höheren Ordnungsprinzips stattfindet, sondern auf Grund einer Mischung aus Zufall und selbst organisierter Selektion. Sie ereignet sich ohne Intelligenz und Bewusstsein allein auf der Grundlage der Auslese durch Selbstbezüglichkeit (Kulmulation). Was heißt dies für die Lektüre der performenden Roboter sowie für deren epistemische Botschaft? Die Roboter tanzen einen Totentanz, mit dem Sinn und Bewusstsein verabschiedet werden. Sie sind wie die Ameise, die ohne Bewusstsein, einfach nur durch In-Sein und Sensorstimulation ihre Ziele erreicht. Was die Tiller Girls mithin performen, ist die bedeutungsleere Sensorstimulation zum Zwecke der Selbsterhaltung. In diesem Kontext macht ihre Bezeichnung als „Tiller Girls“ Sinn. Es geht nicht um eine Imitation der Revue-Girls, die sich als Individuen in der Masse verloren. Dies wäre nur eine weitere Anthropomorphisierung. Sie sind vielmehr Teil einer künstlichen Intelligenz der Selbstreproduktion und Evolution, die sich in operativer Performanz als Variationen des Gleichen ästhetisch entfesselt. Die Tiller Girls sind Bausteine einer Lust an Variation, an Perfektion und Präzision, am Ornament als Assemblage, das sich selbst genügt. Damit endet die Geschichte der Maschinen- und Menschenträume und wird zu einer der bewusstlosen Steuerung und Evolution.

Vor diesem Hintergrund zeigt sich, dass die Performances nicht mit Begriffen und Konzepten der ANT beschreibbar sind. Sie gehen vielmehr weit über sie hinaus, bzw. entwerfen ein anderes Setting. Denn sie laborieren mit einer epistemischen Zäsur, die Existenz nicht zum Netzwerk sondern Experimentierfeld künstlicher Intelligenz und spielerischer Emergenz macht.

Animistische Einwürfe bei der Betrachtung der Roboter

Gleichwohl lässt sich die Performance der entfesselten technischen Dinge nicht unumwunden auf ihr eigenes Ende hin lesen. Mit den Überlegungen Erich Hörls, dass die objektgeschichtliche Zäsur mit einem Neo-Animismus einhergeht, sind vielmehr auch immer wieder dazwischen kommende anthropomorphisierende Reminiszenzen sowie animistische Präsenzen identifizierbar. Ihr Auftauchen war bei Hörl damit begründet, dass mit der Beseelung der Objekte das Gespenstische der Technik zum Ausdruck kommen und gegebenenfalls gebannt werden könne. Und gespenstisch ist das Szenario des Labors künstlicher Intelligenz, das menschliche Existenz in ihrem physischen Sosein betrifft, allemal.

Ob diese Seite sich entfaltet, hängt aufs Engste mit der Inszenierung der Technik zusammen. Animistische Züge tauchen dann auch in den Arbeiten von Demers durchaus auf. Davon zeugen die „Blicke“ der Roboter in L’Assemblée[34] sowie in Devolution[35], eine Performance mit Tanz und Robotern (2005/6) mit dem Australian Dance Theatre von Garry Stewart. Indem sie zum Gegenüber des Menschen erhoben werden, aktivieren sie ein Begehren nach dem Blick des Anderen, mit dem sich Mensch als Identität konstituiert. Damit kommt es zu einem Einbruch des Realen, des Begehrens nach Einheit, dem nur noch maschinenhaft, technisch stattgegeben werden kann. Sound und Licht tun ein Übriges. Sie bringen einen rituellen und hypnotischen Zug in die Performances. In den Performances der Maschine würden sich somit magische Momente entfesseln. Damit werden die Roboter-Tänze zu einer rituellen Performance in einem Schwellenzustand, in dem Mensch zwischen Anthropologischem und Technischen schwankt im Übergang zu einer Agent-in- der-Umwelt-Existenz. Diesen Übergang kann er in der theatralen Situation kompensieren, aufhalten, modellieren und umdeuten, da er in ihr traditionellerweise immer noch die Deutungshoheit hat. Denn solange Theater von Menschen gesehen wird, wird es in dieser Konstellation auch als Bedeutungs- und Anthropomorphisierungsmaschine funktionieren. Es geht in den Roboterperformances mithin um ein widersprüchliches, rituelles Theater, das selbst zum Ritual der Menschwerdung wird.

Roboter aus der objektgeschichtlichen Zäsur betrachtet (Erich Hörl)

Im Kontext der „objektgeschichtlichen Zäsur“ sowie der aktuellen technischen Lage smarter, eigentätiger Objekte zeigt sich, dass mit den embodied Robotern das Verhältnis von Mensch und Technik jenseits der tradierten, instrumentellen und anthropomorphen Technikgeschichte erzeugt wird. Die Roboter untermauern damit die Überlegungen und Thesen von Hörl bzw. sind diese auf die Analyse der Neuen KI und ihre Roboter anzuwenden. Mit der Agency der Objekte in der Neuen KI, die Mensch und Sinn „entwerken“, kommen neue Weisen der Beschreibung von Zugang zur Welt sowie von Erkenntnis auf. Das Metamorphotische, der Prozess und das Werden ziehen als neue ontologische Orientierung herauf, was einer technologischen Sinnverschiebung entspricht. Mit ihr verlagert sich die Konstitution von Sinn in den „intelligenten“ technischen Welten von der Manifestation von Bedeutung in einem semiotischen Prozess hin zur Begegnung von a- signifikanten, sich selbst genügenden Assemblagen in einer Welt des unausgesetzten selbstbezüglichen Operierens.

Derart geben Roboter Hinweise auf die von Erich Hörl am Ende seines Beitrages aufgeworfene Frage, wie eine radikale ökologische Existenz in dieser verkörperten und situierten Existenz zu beschreiben ist, in der Innen und Außen, Körper und Umwelt, Sensorik und Motorik nicht mehr unterscheidbar sind. Diese Existenz wird zu einer Verkörperung im Sein ohne Repräsentation. Sie ist existentiell, ohne Denken, ohne Umweg über mentale Repräsentation, eine Bio-Medialität. [36]

Kognitionswissenschaft und ANT. Der Körper des Agenten

Wo die ANT noch Aktantennetzwerke beschönigt, findet in der Neuen KI schon das Ende des bisher gekannten Menschen statt. Im In-der-Welt-Sein ist die Neue KI existentieller als die ANT. ANT geht zwar auch von der Konstruiertheit der Aktanten aus, denen im Netzwerk erst eine vorüber gehende Identität zugesprochen wird. Kognitionswissenschaft wird dagegen handgreiflich, denn sie mausert sich von bloßer Simulation zur materiellen Erzeugung und Optimierung komplexer Systeme.

In diesem technischen und epistemischen Bezugsrahmen wird die ANT zu analysieren sein. Mit der neuen KI wird die Virtualisierung des Menschen, die schon die ANT beschönigte, da überstiegen, wo Pfeifer Mensch und Natur als nunmehr bereits verschwindende, weil Störung bringende Datengeber sieht. Denn sie sollen zwar Vorbild für eine strukturell-funktionale Analyse zum Bau von Robotern sein. Da der Mensch die effiziente Entwicklung aber stört, sei er, so Pfeifer, „herauszunehmen“.


  1. Vgl.: http://www.processing-plant.com/, gesehen am 24.11.2010.
  2. Zur Anschauung: http://www.processing- plant.com/web/index.shtml?cat=tperf&project=assemblee, gesehen am 24.11.2010.
  3. Vgl.: Ed Jansen, V2_ presented the return of the historic "Tiller Girls" to the Netherlands. The dancing robots gave a series of thrilling performances during the festival “De Wereld van Witte de With”, 2010, unter:. http://www.v2.nl/events/the-tiller-girls. Vgl. auch: http://www.processing-plant.com/web/index.shtml?cat=tnews&project=tiller, alle gesehen am 24.11.2010.
  4. Vgl. einführend zu dieser Embodied Cognitive Science: Toni Gomila, Paco Calvo, Directions for an Embodied Cognitive Science: Towards an integrated approach, 2008, unter: http://webs.um.es/fjcalvo/miwiki/lib/exe/fetch.php?id=investigacion&cache=ca che&media=introduction-handbook.pdf. Vgl. einführend: Manuela Lenzen, Natürliche und künstliche Intelligenz. Einführung in die Kognitionswissenschaft, Frankfurt 2002.
  5. Diese Wende in der Kognitionswissenschaft und der KI stellt Verkörperung, Embodiment, sowie Vernetzung mit der Umwelt und dezentrale Organisation in den Fokus. Federführend sind seit den 1960/1970er Jahren: Herbert Dreyfus, Terry Winograd, Rodney Brooks. Interessanterweise argumentieren Dreyfus und Winograd mit Heideggers Begriff der „Zuhandenheit“, wonach Mensch gleichsam unmittelbar, ohne Rückkopplung über das Bewusstsein über den Gebrauch der Umgebung in ihr integriert ist.
  6. Etwa in der Analogie von Menschen als Uhrwerk oder als Informationsverarbeitung.
  7. Demers zieht als Beispiele Jacques de Vaucansons „Ente“ (1738) sowie den „Schachtürken“ (1769) von Wolfgang von Kempelen heran.
  8. Masahiro Mori, The Uncanny Valley, 1970, unter: http://www.androidscience.com/theuncannyvalley/proceedings2005/uncannyvalley .html, gesehen am 26.11. 2010.
  9. Vgl. dazu ausführlicher den der Publikation beigefügten Text von Louis- Philippe Demers, Machine Performers. Neither Agentic nor Automatic, 2010, unter: http://hri.willowgarage.com/workshops/HRI2010/downloads/Demers.pdf, gesehen am 24.10.2010. Vgl. zum „Uncanny Valley“ einführend: Michael Decker, „Abbild des Menschen. Humanoide Roboter“, in: Hg. Michael Bölker, Mathias Gutmann, Wolfgang Hesse, Transformation von Menschenbildern im Informationszeitalter, Berlin Heidelberg 2010, S. 41-62.
  10. Vgl. Anmerkung 4.
  11. Vgl. zum „Stumpy-Projekt”: http://www.ifi.uzh.ch/ailab/people/iida/stumpy/, 2004, sowie Fumiya Iida, Raja Dravid, Chandana Paul, Design and Control of a Pendulum Driven Hopping, 2002, unter: thttp://people.csail.mit.edu/iida/papers/stumpyIROS02.pdf. Vgl. auch die Dissertation von: Fumiya Iida, Cheap Design and Behavioral Diversity for Autonomous Adaptive Robots, Zürich 2005, Kapitel 4 - 5, unter: http://citeseerx.ist.psu.edu/viewdoc/download?doi=10.1.1.123.4533&rep=rep1&t ype=pdf. Videos unter: http://www.ifi.uzh.ch/ailab/robots/Stumpy/, alle gesehen am 27.11.2010.
  12. Vgl. zu Raja Dravid: http://ailab.ifi.uzh.ch/dravid/, gesehen am 27.11.2010.
  13. Vgl. zum AI Lab Zürich, Departement für Informatik: http://ailab.ifi.uzh.ch/, gesehen am 24.11.2010.
  14. Vgl. zu Robert Pfeifer: http://ailab.ifi.uzh.ch/pfeifer/, zu den Robotern: http://ailab.ifi.uzh.ch/robots, 2008, Dokumentationen „Brutstätte der ‚Neuen künstlichen Intelligenz’“ sowie „Philosophisches zur Künstlichen Intelligenz“ von Susanne Päch, Hyperraum TV: http://www.hyperraum.tv/tag/artificial-intelligence-lab/, 2008. Vgl. auch: Rolf Pfeifer, Generieren und verstehen von Daten am Beispiel der Robotik, Vortragfolien, 2007, http://www.lead- management.ch/fileadmin/files/pdf/Pfeifer.pdf. Vgl. auch: Rolf Pfeifer, Fumiya Iida, Embodied Artificial Intelligence: Trends and Challenges, 2004, http://www.ifi.uzh.ch/ailab/people/iida/tmp/dagstuhl/camera_ready/31390002_p feifer.pdf, alle gesehen am 24.11.2010.
  15. Auf der Site: http://www.playground-robotics.ch/objects/stumpy.php, gesehen am 27.11.2010.
  16. Fumiya Iida, Raja Dravid, Chandana Paul, The Stumpy Project, Artificial Intelligence Laboratory University of Zurich, 2004, http://www.ifi.uzh.ch/ailab/people/iida/stumpy/, gesehen am 27.11.2010.
  17. Diese Richtung wurde von Allen Newell und Herbert A. Simon in den 1950er Jahren begründet. Sie entwarfen Kognition am Vorbild des Computers als Manipulation von Symbolen. Mensch und Maschine agieren für Newell und Simon auf Augenhöhe, weil für sie jedem Physical Symbol System da Intelligenz eignet, wo in symbolischen Operationen nach vorgegebenen Regeln und mit Speicher und Kontrolleinheiten versehen Probleme/Aufgabenstellungen gelöst werden. Diese General-Hypothese nachzuweisen, führten Newell und Simon Beweise anhand von Problemlösungsautomaten durch, die auf der Grundlage von Modellierungen, der Zerlegung der Problemlösung in hinreichend logische Schritte, operierten und so Kognition in diesen Computerarchitekturen simulierten. Vgl. einführend: Allen Newell, Herbert A. Simon, Human Problem Solving. Englewood Cliffs, New Jersey, 1972.
  18. Jörg Auf dem Hövel, „Interview mit Rolf Pfeifer, Labor für Künstliche Intelligenz, Universität Zürich“, in, Künstliche Intelligenz, Heft 1/2003, online unter: http://www.aufdemhoevel.de/pfeifer.html, gesehen am 24.11.2010.
  19. Ebda..
  20. Bea Miescher, Prof. Dr. Rolf Pfeifer: Künstlicher Intelligenz auf der Spur, 2007, http://www.spiraldynamik.com/newsarchiv/31200__portrait_200707_profpfeiffer. htm, gesehen am 28.11.2010.
  21. Jörg Auf dem Hövel, „Interview mit Rolf Pfeifer, Labor für Künstliche Intelligenz, Universität Zürich“, in, Künstliche Intelligenz, Heft 1/2003, online unter: http://www.aufdemhoevel.de/pfeifer.html, gesehen am 24.11.2010.
  22. Vgl. einführend zur Kybernetik: Claus Pias, Zeit der Kybernetik – Eine Einstimmung, 2003, unter: http://www.uni- due.de/~bj0063/texte/cyber_intro.pdf, gesehen am 24.11.2010.
  23. Dominik Landwehr, Gespräch mit Rolf Pfeifer. Nicht alles ist digital - oder warum es keine körperlose Intelligenz gibt, 1999, http://www.peshawar.ch/tech/rolf-pfeifer-interview.htm, gesehen am 26.11.2010
  24. Ebda..
  25. Daniel Binswanger, Das Leichte ist das Schwere, in: Das Magazin, Gratisbeilage des Züricher Tagesanzeiger, 08 - 2007, S. 22 – 33, unter: http://www.google.de/url?sa=t&source=web&cd=5&ved=0CC0QFjAE&url=http%3A%2F%2 Feva.unibas.ch%2Fdownload%2F21261- Binswanger_Motorik.pdf&rct=j&q=Daniel%20Binswanger%2C%20Das%20Leichte%20ist% 20das%20Schwere&ei=0FqOTf2cNofPsgaMhpmbCg&usg=AFQjCNFJoAozR1fA5GgaW7PIqZUDcZ P40g&cad=rja, gesehen am 27.11. 2010.
  26. Daniel Binswanger, Das Leichte ist das Schwere, Das Magazin 2007 – 8, 2007, unter: http://dasmagazin.ch/index.php/das-leichte-ist-das-schwere/, gesehen am 27.11. 2010.
  27. Dominik Landwehr, Gespräch mit Rolf Pfeifer, Nicht alles ist digital - oder warum es keine körperlose Intelligenz gibt, 1999, http://www.peshawar.ch/tech/rolf-pfeifer-interview.htm, gesehen am 26.11.2010.
  28. Daniel Binswanger, Das Leichte ist das Schwere, Das Magazin 2007 – 8, 2007, unter: http://dasmagazin.ch/index.php/das-leichte-ist-das-schwere/, gesehen am 27.11. 2010.
  29. Ebda..
  30. Ebda..
  31. Wolfgang Ernst schreibt zum performativen Code: „Performative Codes basieren auf kulturellen Konventionen. Diese können den semiotischen Prozess oder auch die soziale Sinngeneralisierung betreffen. Der performative Code ist kontextsensibel und in einem ständigen Prozess der Wandlung. Er ist damit deutlich vom operativen Code zu unterscheiden. Seine Gemeinsamkeit besteht darin, dass er als Code ein Schema der Reduktion bildet, eine Perspektive, durch die etwas einen Informationswert bekommt.“ Wolfgang Ernst, Operativer Code, unter: http://www.formatlabor.net/blog/?page_id=121. Und zum operativen Code führt Ernst aus: „Operative Codes sind überall dort zu finden, wo richtig und falsch (wohl)definiert sind: In Rechenmaschinen, in der Verwendung von Zahlen und Buchstaben, im Reich der Mathematik und in formalen Sprachen. Bezüglich des operativen Codes gibt es keine Unsicherheit und keinen Interpretationsfreiraum. Er ist mathematisch anschreibbar, ‚wohldefiniert’ und damit nicht kontextabhängig, umweltunsensibel. Operative Prozesse sind im semantischen Sinne sinnfrei. Der operative Code ist vom performativen Code zu unterscheiden. Semantische Zusammenhänge können nur von Letzterem erfasst werden. Während operative Prozesse vollständig induziert werden können, haben performative Prozesse einen Aspekt der Kontingenz. Während operative Codes feststehen, unterliegen performative Codes der ständigen Wandlung in der Benutzung.“, ders.: Operativer Code, unter: http://www.formatlabor.net/blog/?page_id=120http://www.formatlabor.net/blog/ ?page_id=120 Vgl. dazu auch: Wolfgang Ernst, Zur Unterscheidung von operativ und performantiv, unter: http://www.formatlabor.net/blog/?page_id=70, alle gesehen am 27.10.210.
  32. Vgl. dazu auch: Wolfgang Ernst, Zur Unterscheidung von operativ und performantiv, unter: http://www.formatlabor.net/blog/?page_id=70, sowie: ders.: Performativer Code, unter: http://www.formatlabor.net/blog/?page_id=121, beide gesehen am 27.10.210.
  33. Urs Bruderer, „Schnell, billig und außer Kontrolle. Wie man mit Robotern das Wesen der Intelligenz erforscht“, in: NZZ Folio 06/00 - Thema: Roboter, unter: http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0- 277884b93470/showarticle/cb60479d-e131-4c27-a0d7-2f84e06ef9c6.aspx, 2000, gesehen am 29.11.2010.
  34. Vgl. zu Richard Dawkins, Der blinde Uhrmacher, München 1990 sowie ders.: Das egoistische Gen, Reinbek bei Hamburg 2000. Siehe einführend: http://richarddawkins.net/, http://www.reitstoen.com/dawkins.php, gesehen am 26.11.2010.
  35. Vgl. http://www.processing- plant.com/web/index.shtml?cat=tperf&project=assemblee.
  36. Vgl.: http://www.processing- plant.com/web/index.shtml?cat=tperf&project=devo, gesehen am 24.11. 2010.
  37. Als Referenz für diese Sicht auf Robotik zieht Hörl in den St. Pöltener Gesprächen 1, (Kapitel: Technik- und Wissensgeschichte der Akteurnetzwerktheorie im Kontext entfesselter technischer Objekte) die Konzepte zu „Robotern ohne Repräsentation“ von Rodney A. Brooks heran. Vgl.: Rodney A. Brooks. Intelligence without representation, Cambridge, MA USA 1987 sowie ders.: Intelligence without representation, 1991, unter: http://people.csail.mit.edu/brooks/papers/representation.pdf, gesehen am 24.11.2010.